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EDV-Dompteur

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1

Freitag, 11. März 2016, 03:30

Löttechnik vom Feinsten

Immer wieder werde ich gefragt: "Was? Wie kann man sooo kleine Bauteile denn noch löten?"
Darum wollte ich immer mal ein gutes Video dazu machen, wo das hinreichend erklärt und vorgeführt wird.

Aber es gibt Kollegen und internationale Instruktoren, die bereits derart großartige Videos zu den verschiedenen Löttechniken produziert haben, dass ich mit meinem filmtechnischen Equipment da gar nicht anklingeln könnte.
Außerdem hat der Tag nur 24 Stunden und ich finde sowieso nie die Zeit, mal all das online zu stellen, was ich gerne möchte, oder quasi müsste.

Zumindest habe ich mir jetzt endlich mal die kleine Mühe gemacht, eine Playlist auf YouTube anzulegen, mit einer sorgfältigen Auswahl besonders empfehlenswerter Videos:

Playliste "Löttechnik "

Ich werde die Liste mit der Zeit sicherlich noch etwas erweitern, ohne weitere Ankündigung. Momentan geht es dort nur um SMDs.
Macht Technik dir das Leben schwör, ruf' schnell den EDV-Dompteur! ;-)

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2

Freitag, 11. März 2016, 09:20

Hi EDV-Dompteur,

vielen Dank für die gute Zusammenstellung der Löttechnik Videos, ein paar kommen mir bekannt vor :-) . Ich finde die Ergebnisse beim Arbeiten mit Flussmittel und einer breiten, abgeflachten Lötspitze bei z.B. TQFP Bauteilen wirklich erstaunlich gut. Vertrittst du auch die Meinung so viele SMD Arbeiten wie möglich mit dem Lötkolben zu machen und nur wenig mit Heißluft, da diese umliegende Bereiche bzw. das Bauteil selber durch die Luftverteilung unnötig stresst?

Grüße
~BF~

EDV-Dompteur

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3

Freitag, 11. März 2016, 15:39

Es gibt übrigens abgeflachte Lötspitzen und Hohlkehlen.
Ich selbst besitze nur eine abgeflachte, aber eigentlich soll eine Hohlkehle ideal sein. Die gibt es aber leider nicht, für meine zwar betagte, aber bestens bewährte Lötstation.

Beide Spitzen eigenen sich jedenfalls für das, worauf es ankommt: Überschüssiges, flüssiges Lot zwischen den IC-Anschlüssen wieder heraus zu ziehen (ähnlich wie Entlötlitze).
Führt man die Lötspitze im richtigen Winkel flach auf der Platine, dann ergibt sich darunter ein schmalerer Spalt mit stärkerem Kapillareffekt, als zwischen den IC-Anschlüssen, die im Vergleich dazu weiter auseinander liegen, also einen weiteren Spalt bilden, mit geringerer "Sogwirkung".

Eine Hohlkehle kann dabei eine größere Menge Lot unter sich halten, im "Reservoir".


Vertrittst du auch die Meinung so viele SMD Arbeiten wie möglich mit dem Lötkolben zu machen und nur wenig mit Heißluft, da diese umliegende Bereiche bzw. das Bauteil selber durch die Luftverteilung unnötig stresst?
Nein, diese Meinung vertrete ich nicht.
SMDs löte ich fast immer mit Heißluft. Selbst in schwierigen Fällen und bei mehrfachem Aus/-Einlöten sterben mir keine Bauteile.
Zugegeben wundert mich das selbst, zumal sich das irgendwie mit dem beißt, was ich damals noch in der Ausbildung gelernt habe.

Aber ich muss sagen: Trotz nunmehr 40 Jahren Löterfahrung (habe im Alter von sieben Jahren angefangen); die wirklich höheren Weihen des Lötens habe ich nicht in der Ausbildung erlernt, auch nicht bei Philips, wo ich einst Service-Techniker in einem Team aus Technikern und Ingenieuren war; sondern die wirklich höheren Weihen habe ich tatsächlich aus YouTube!

Ich kann den Gedanken nachvollziehen, dass ein Lötkolben insgesamt weniger Wärmeenergie zum Kristall führt, was auf den ersten Blick schonender sein sollte. Andererseits ist dort die Hitzezufuhr punktuell und relativ schroff, verglichen mit der soften, gleichmäßigen Erwärmung beim Einsatz von Heißluft.

Wichtig ist aber das Thema "Unterwärme". Also auch dann, wenn man oben mit dem Lötkolben lötet, sollte man die Platine von unten her vorheizen. Erst wenn alles über eine Minute lang auf 120 bis 160 Grad durchgewärmt ist, kommt oben entweder der Lötkolben zum Einsatz, oder halt Heißluft.
Bei diesem Verfahren wirkt auch der Lötkolben nicht mehr ganz so schroff und muss nicht punktuell ganz massiv heizen, um gegen die massive Wärmeabfuhr duch Masseflächen anzustinken.

Wenn man super empfindliche Bauteile in der Nähe hat und mit Heißluft lötet, verwendet man Kapton-Band, um diese vor der Heißluft zu schützen. FPC-Verbinder sind da so ein Kandidat.

Wenn ich einen solchen, extrem hitzeempfindlichen Verbinder austauschen muss, dann sorge ich sicherheitshalber dafür, dass das vorhandene Löt mit niedrigerer Temperatur schmilzt, als es das normalerweise täte, indem ich etwas Bismut-haltige Lötpaste hinzufüge, wie im Thread Lötpaste und SMD-Schablone beschrieben.

Es sei angemerkt (ohne dass ich jetzt Romane dazu schreibe), dass man Bismut-haltiges Lot eigentlich nicht mit anderem Lot mischen sollte.
Also wenn man für die NASA eine Raumstation zusammenlötet, dann ist das sicher ein Thema. Aber wenn man ein eher kurzlebiges (grusel!) Produkt, wie einen Notebook repariert, dann muss man sich da nicht in die Hose machen, wegen minimaler Kontaminierung. Man saugt halt alles alte Lot mit Entlötlitze weg (Pumpe reicht nicht und geht nicht), fügt nochmals frisches Lot hinzu, saugt es wieder weg - dann sind da kaum noch Restatome von andersartigem Lot vorhanden.
Lötsauglitze hinterlässt ja oftmals nahezu reines Kupfer, das kaum noch silbrig glänzt, wegen der nur noch ganz wenigen Fremdatome vom Lot.

Um den neuen FPC-Verbinder einzulöten, würde ich dann frisches CR-11 verwenden. Der Rest der Platine ist dann also mit dem heute üblichen, bleifreien Lot gelötet, der einzelne Verbinder dagegen mit Bismut-haltiger CR-11. Da ist also keine Kontaminierung gegeben.

In einem der Videos ist der Einsatz einer ganz feinen Heißluftspitze gezeigt, die quasi einzelne SMD-Pins erhitzt.
Bei meiner Heißluftstation habe ich festgestellt, dass die feinen Spitzen gar nicht so gut geeignet sind.
Viel besser ist es, wenn ich die dickste Spitze einsetze, die ich habe!

Mehr noch: Inzwischen ist mein bevorzugtes Heißluftgerät eine rotzbillige, ungeregelte Heißluftpistole aus dem Baumarkt! Ganz ohne Düsen-Aufsatz.
Ein Kollege, der ebenfalls seit Jahren Notebooks repariert, schwört ebenfalls auf ein ganz ähnliches Gerät, mit einer mächtig weiten Düse.
Klar, dass dabei benachbarte Lötstellen mit flüssig werden. Aber das stört eigentlich nicht. Jedenfalls ist die Wärmeverteilung gleichmäßiger und sanfter, als wenn man punktuell Hitze zuführt.

Das Wichtigste ist ein Sack voll Erfahrung. Die Grundlagen soll man kennen und wissen, was man da tut. Das mit den Wärmeprofilen beim Löten sollte man verstanden haben und so weiter. Aber am Ende zählt insbesondere die eigene Erfahrung, mit dem eigenen Equipment, für optimale Ergebnisse.

Drückt man mir einen "fremden" Lötkolben in die Hand, dann kann es sein, dass ich damit zuerst keine so guten Ergebnisse erziele, weil er sich einfach anders verhält. Es ist ein Unterschied, ob man eine Lötspitze mit Außenheizung, oder Innenheizung verwendet (Innenheizung ist vorzuziehen!). Und es ist ein Unterschied, ob ein Kolben viel, oder eher wenig Wärme in sich selbst speichert, je nachdem, aus wie viel Material die Lötspitze besteht.
Eine filigrane Lötspitze speichert kaum Wärme. Da wird eine gute und schnelle Temperaturregelung wichtiger, als bei einer massiven Spitze. Aber selbst die schnellste Regelung kann nicht so schnell regeln, wie das thermische Speichervermögen einer massiveren Spitze abgeflossene Wärme nachführt, aus sich selbst heraus.

Bei guter Zuführung von Unterwärme fallen diese Unterschiede aber deutlich spürbar weniger ins Gewicht.
Wie gesagt: Ein Sack voll eigener Erfahrung, mit dem eigenen Equipment, ist entscheidend! Da findet man dann seinen optimalen Weg.
Bei anderem Equipment muss man sich erst wieder umgewöhnen. Wie wenn man ein anderes Auto fährt, als das eigene.
Macht Technik dir das Leben schwör, ruf' schnell den EDV-Dompteur! ;-)

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Mittwoch, 22. Februar 2017, 02:35

Tipps zum Löten mit der Heißluftpistole

Die meisten der folgenden Tipps gab ich häppchenweise verstreut zwar schon an anderen Stellen im Forum, doch jetzt bündele ich die gesamten "Heiße Luft" -Infos mal in diesem Thread, wo sie ja auch hingehören.

Vorwort:
Trotzdem ich auch eine richtige Heißluftstation für SMD-Bauteile besitze, arbeite ich, sobald es um größere Bauteile geht, als um SMD-Kondensatoren und Widerstände, viel lieber mit einer rotzbilligen, ungeregelten Heißluftpistole aus dem Baumarkt!
So ein ultrasimples Teil, mit nur zwei Heizstufen, wie es zum Entfernen von Lack verwendet wird.
Meine hat 1500W in der hohen Heizstufe (nur die ist angegeben). Die kleine Heizstufe wird intern durch eine simple Einweg-Gleichrichtung bewirkt.

Zum Löten taugt bei so einem Gerät definitiv nur die kleine Heizstufe. Wirklich immer nur die kleine Stufe nehmen!!! Da passt alles perfekt!
Das Verhältnis von Luftmenge und Luftstromintensität zu Temperatur ist (bei meinem Gerät) einfach ideal, könnte nicht besser sein!
Und weil die Netzspannung in Deutschland ohnehin ausreichend stabil ist und der Heizdraht ein PTC, braucht man auch keine Temperaturregelung. Man kann die Wärmezufuhr dann einfach über den Abstand regulieren.

Vorbereitung:
Haltet alles bereit, was Ihr eventuell benötigen könntet. Es ist super ärgerlich, wenn man alles bis zur Lotverflüssigung heiß hat und dann ein Missgeschick passiert, das den Einsatz von Entlötlitze erfordert ... die gerade dann nicht auffindbar ist!

Legt die Platine auf eine hitzefeste, möglichst auch hitzereflektierende Unterlage.
Silikonmatten tun einen recht guten Job. Da müsst Ihr allerdings etwas aufpassen, bezüglich Elektrostatik ...
Ich verwende solche Matten seit Jahren selbst (geht also), aber ich habe es auch echt im Urin, wie man Elektrostatik vermeidet.

Knopfzelle raus!!!
Mir ist beim Löten mal so ein Ding mit lautem Knall explodiert und nah am Kopf vorbei an die Decke geknallt!
Das hätte aber echt ins Auge gehen können!
Weiter unten empfehle ich sowieso, eine Brille zu tragen. Das Erlebnis mit der Knopfzelle ist ein weiterer, guter Grund dafür!
Den Batteriehalter hat sie übrigens gefetzt, so dass ich den austauschen musste.
Mit Elkos (die immerhin etwas weniger energiereich fetzen würden, so dass eine Brille das hoffentlich abhält) ist mir derlei zwar noch nie passiert, aber man weiß ja nie ... :-(

Haltet folgendes Material bereit:
  1. Die Heißluftpistole (ey, das war jetzt logisch, oder?)
  2. Eine eingeschaltete Lötstation (falls Nacharbeit erforderlich ist) plus Lötschwämmchen etc.
  3. Eine gute Entlötpumpe (ein Modell mit breiter Saugdüse ist übrigens zu bevorzugen)
  4. Eine Blechdose, um die Entlötpumpe zu entleeren
  5. Feines Lötzinn (nur zur Sicherheit, meistens braucht Ihr das gar nicht)
  6. Flux (wer nicht weiß was das ist, der bemühe die Suchfunktion des Forums, von der Portalseite aus)
  7. Entlötlitze (diese sicherheitshalber zuvor mit Flux benetzen)
  8. Einen Silikon-Topflappen als Handballenauflage
  9. Eine sehr stark vergrößernde Lupe, z. B. eine Uhrmacherlupe
  10. Eine Brille, um die Augen vor Hitzestrahlung und "Explosionen" zu schützen. Gerne eine schwache Lesebrille.
  11. Eine antimagnetische, hitzefeste Pinzette (das Feature "antistatisch" halte ich hingegen für Werbe-Schwachsinn)
  12. Flux-Entferner, und/oder Isopropanol, Papier-Küchentücher, Reinigungsbenzin, kleine Bürste
  13. Ein hitzefestes Schälchen (oder eine Untertasse), zur Ablage entlöteter Bauteile
  14. Ein zweites Schälchen, in das Ihr das/die neue Bauteil(e) bereit legt, und zwar "mundfertig" korrekt ausgerichtet!
  15. Eine Nadel im Halter, Skalpell etc., für filigrane Feinarbeiten.
  16. Kapton-Klebeband, um benachbarte, hitzeempfindliche Bauteile zu schützen (sucht mal bei eBay danach).
  17. Eine gute Lichtquelle! Tipp: Stirnlampe!
Ich habe hier zudem einen Feuerlöscher stehen, für alle Fälle. Ich will Euch ja nicht verrückt machen, aber behaltet immer im Kopf, was alles passieren könnte. Z. B. wenn die Heißluftpistole, zusammen mit dem Chemiekram, auf den Flokati fällt, oder so ...
Man glaubt es ja nicht, was alles passieren kann (wird!), wenn man eine Sache nur oft genug wiederholt!

- Allein das Erlebnis mit der explodierenden Knopfzelle ... wäre mir das (heiße!!!) Metallding wuchtvoll ins Auge gecrasht, dann wäre ich kreischend herum gerannt, hätte "augenblicklich" alles fallen gelassen und den Tisch umgerempelt, ohne etwas sehen zu können. Und sicherlich ohne einer herunterfallenden Heißluftpistole in diesem Moment die angemessene Aufmerksamkeit zu widmen.
Dann hilft der Feuerlöscher vielleicht auch nicht mehr, aber zumindest in weniger spektakulären Fällen, oder wenn eine zweite Person anwesend ist.
Wenn Ihr keinen Feuerlöscher habt, dann ist ein Eimer Wasser genau dann gut, wenn Ihr auch in akuter Panik daran denkt, vor dessen Entleerung zum Sicherungskasten zu rennen. Gegen manche brennende Chemie hilft Wasser aber bekanntlich nicht wie erwartet.
Lasst Euch was einfallen!

Liste abgehakt? Gut:
Bevor Ihr los legt, schaut Euch noch genau an, wie das neue Bauteil ausgerichtet werden muss und legt es griffbereit ab (in einer kleinen Lache Flux), so dass Ihr es im entscheidenden Moment, wenn es ganz flott gehen muss, quasi blind mit der Pinzette packen und platzieren könnt, ohne erst lange nach der Pin-1-Markierung suchen zu müssen!
Übt die dazu notwendige Bewegung einmal im "Trockenlauf", bevor ihr die Heißluftpistole überhaupt einschaltet. Es passiert sonst sehr leicht, dass man sich doch um 90 Grad vertut, bei den kleinen, quadratischen Chips.


Vorwärmen:
Weil Ihr wohl sicherlich kein Vorwärmgerät für Unterwärme besitzt:
Wärmt den Lötbereich mit langsam kreisenden Bewegungen der Heißluftpistole gute 90 Sekunden vor. Davon 30 Sekunden aus etwas größerem Abstand und satte 60 Sekunden aus 10cm Abstand.
Nehmt Euch unbedingt diese Zeit, das gründliche Durchwärmen von Platine und Bauteilen ist wirklich sehr wichtig!
Erst nach frühestens 90 Sekunden mit der Düse noch tiefer gehen, auf 5cm, oder notfalls noch tiefer (alles so "Auge mal Pi").

Arbeitet ohne Aufsetzdüse. "Volle Breitkante" Luftstrom sozusagen. :-)
Dabei kommt der Luftstrom so schön dezent, dass keine kleinen Bauteile wegfliegen.
Dass dabei ein viel größerer Platinenbereich erhitzt wird, als scheinbar erforderlich, ist sogar vorteilhaft, denn das vermeidet ungleichmäßige, mechanische Spannungen durch thermische Ausdehnung.

Stupst das zu entlötende Bauteil immer mal kurz mit der Pinzette an, nachdem Ihr auf 5 cm runter seid, um es sofort entfernen zu können, sobald das Lot flüssig ist. Mit der maximalen Temperatur (also bei minimalem Abstand) solltet Ihr nur wenige Sekunden drauf gehen. Das alte Bauteil muss also rasch runter, sobald es geht (statt ausgiebig in flüssigem Lot zu baden, bis es "gar" ist).


Schützt Euch vor der Gluthitze!
Die reflektierte, brüllende Hitze stört beim präzisen Platzieren des neuen Bauteils, wie Ihr merken werdet.
Ja, das glaubt Ihr jetzt nicht, aber erinnert Euch an meine Worte!

Haltet darum einen Silikon-Topflappen bereit, den Ihr unmittelbar vor dem Platzeren des neuen Bauteils direkt neben (oder auf) die Platine legt, um dort den Handballen aufsetzen zu können. So zittert die Hand weniger, die die Pinzette hält.

Und tragt eine Brille (schwache Lesebrille, oder so). Das hält eine Menge der irrsinnigen Hitze von den empfindlichen Augen weg.
Außerdem schützt sie (einigermaßen) vor womöglich explodierenden Teilen.


Licht!
Viel Licht ist wichtig. Eine gute Kopflampe tut da einen prima Job. Denn man kann, wenn alles richtig heiß ist, mit dem Gesicht leider nicht so dicht ran, wie man es gerne wollte (und wie es beim Löten mit dem Kolben problemlos ginge), dazu ist das Hitzeinferno einfach gar zu unerträglich.
Wenn der Kopf aber weiter weg ist, dann braucht man viel Licht, um noch alles klar erkennen zu können.
Eine Stirnlampe bringt das Licht dorthin, wo es benötigt wird.


Flux:
Arbeitet unbedingt mit Flux! Wer nicht weiß, was das ist, der bemühe die Suchfunktion des Forums, von der Hauptseite aus und füttere auch YouTube mit dem Begriff.
Selbst verbrutzelte Stellen werden wieder verblüffend schnuckelig, wenn man mit Flux, Entlötlitze und Lötkolben nacharbeitet.
Das geht richtig super, wenn durch vorherigen Einsatz der Heißluftpistole alles so richtig gut vorgewärmt wurde.

Ich rate sehr, mal ein altes Mainboard vom PC-Doktor um die Ecke zu besorgen, um das Entlöten und Einlöten von Bauteilen mit der Heißluftpistole zu üben, bevor Ihr Euch an ein reales Objekt heran wagt.
Beackert mal einen vielpoligen Chip ohne Flux und einen weiteren mit Flux. Dann seht Ihr, wozu das Zeug gut ist!


Der Bauteiltausch:
Anders als beim Bestücken einer neuen Platine, wo die Zugabe von Lot (Lötpaste) erforderlich ist, kommt man beim bloßen Austausch von SMD-Bauteilen fast immer ohne Lötzinn aus. Auf den Pads verbleibt genug Restlot, so dass Ihr das neue Bauteil einfach nur "aufbacken" müsst. Lediglich die Zugabe von Flux ist erforderlich, um bereits oxidiertes Lot wieder zu reaktivieren.

Entnehmt das entlötete Bauteil mit der Pinzette und legt es immer weeeiit weg, nach links, in eine Schale/Untertasse.
Das neu einzulötende Bauteil entnehmt von einer zweiten, sich stets rechts (und nah) befindenden Schale.
- So könnt Ihr nie die Bauteile verwechseln.
Der letzte Absatz mag vielleicht dumm klingen, aber mir ist es im Halbschlaf sogar schon passiert, einen völlig falschen IC einzulöten, weil ich ihn von der falschen Stelle nahm! Darum vorher alles im Geiste durchgehen und mundfertig platzieren, in immer gleicher Weise, um solche Fehler auszuschließen.
Also: Altes kommt immer nach links (und weit weg!), Neues kommt immer von rechts (und ganz nah)!


Luft!!!
Habt bei der Arbeit die Fenster offen und lasst wenn möglich 'nen Ventillator laufen. Der soll Euch zwar nicht direkt anpusten, aber Euch die ganzen Dämpfe vom Leib halten.
Bei umfangreichen Lötaktionen, mit viel Flux, Flux-Entferner, Isopropanol ... kann es sonst sein, dass Euch das Zeug in die Nase steigt. Niesanfälle sind dann eine noch eher harmlose Wirkung (wenn auch bei der Arbeit betont störend).
Mir hat es schon mal aus der gereizten Nase auf die heiße Platine getropft ... :-( - ja, ich bin empfindlich!


Übung macht den Meister!
Wenn Ihr meine Tipps eisern befolgt, sollte eigentlich auf Anhieb alles gut klappen.
Ich jedoch, habe viel Erfahrung sammeln und viele Platinen verbraten müssen, bevor ich mit der Baumarkt-Heißluftpistole perfekt umgehen konnte. Ich musste es mir damals allerdings auch alles selbst ertüfteln.

Versucht wirklich niemals (auch nicht ganz kurz), mit der großen Heizstufe nachzuhelfen; es ist der Tod der Platine, bzw. der Bauteile!
Wenn ein Bauteil mal partout nicht runter will, dann halt mit der Düse noch dichter runter gehen. Aber nehmt Euch unbedingt die satten 90 Sekunden Vorwärmzeit, bevor Ihr tief runter geht!
Es dürfen auch 100, oder 110 Sekunden sein, aber nicht weniger als 90, bevor Ihr mit der Düse tief runter geht. Die Platine muss ihre Zeit kriegen, sich richtig satt voll durchzuwärmen.
Wenn Ihr diesen Tipp nicht einhaltet, dann werden die Bauteile sterben, denn dann müsst Ihr lange mit großer Hitze von oben drauf, obwohl die Platine noch nicht heiß genug ist. Dabei kriegt das Bauteil zu viel Hitze ab und stirbt, bevor überhaupt das Lot flüssig ist.

Zum Trainieren sind alte Notebook-Mainboards ideal. Wer es schafft, alle FPC-Verbinder (Flachbandkabel-Anschlüsse) unverkokelt herunter und wieder drauf zu bekommen, der ist bereit, für die echten Lötaufgaben.
Denn praktisch alle anderen Bauteile sind viel robuster und unkritischer. Die FPCs verkokeln aber schon bei ganz geringer Überhitzung. Wenn Ihr diese Biester also unbeschadet herunter bekommt, dann überleben Euer Gewerkel auch alle anderen Bauteile (und die Platine selbst).
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