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EDV-Dompteur

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Montag, 3. Juni 2013, 00:11

Kontaktspray, richtige Anwendung

Immer wieder werde ich danach gefragt:
"Mit welcher chemischen Keule muss ich dieses, oder jenes elektronische Teil pflegen?"

Und immer wieder stehe ich bei Service-Einsätzen, vor Ort beim Kunden, selbst vor dem Problem, ein benötigtes Mittelchen nicht parat zu haben und improvisieren zu müssen.

Daher hier ein paar Tipps, aus langen Jahren eigener Praxis; sicherheitshalber vor dem Posten untermauert und ergänzt durch Webrecherche, um sicher zu gehen, dass kein anderer Fachmann begründete Gegenargumente gegen einzelne meiner Ansichten hegt (aber dennoch alle Angaben ohne Gewähr, Anwendung auf eigene Gefahr!).

Für empfindliche Elektronik, auch für kratzende Potis:


Kontakt 61 von der Firma Kontakt Chemie - die "blaue Dose".
Dieses schonende Kontaktpflegemittel muss, anders als das weiter unten beschriebene Kontakt 60, nach der Anwendung nicht ausgewaschen werden.
Für neue, also noch unkorrodierte Stecker und Buchsen ist es bestens geeignet, auch für bereits leicht in Mitleidenschaft gezogene. Steckkontakte gleiten deutlich besser und "brutzeln" beim Stecken unter Spannung nicht mehr so stark. Sehr gut spürbar bei der Stromversorgungsbuchse von Notebooks!

Auch wenn mal ein 230V-Stecker partout nicht in die per Kindersicherung geschützte, hakende Steckdose will, schaft ein kurzer Sprühstoß zuverlässige Abhilfe.

Zarte Goldkontakte:
Ich habe es bei unbehandelten Steckverbindern vom Notebook-Mainboard zum Display schon ungefähr drei Mal erlebt, dass diese bereits durch ganz wenige Steckvorgänge fatalen Schaden nahmen, indem einzelne der winzigen Kontakte umbogen. Da war offensichtlich der Reibwiderstand zu hoch. Trotz ganz "einfühlsamem" Stecken/Ziehen geschah das!
Seither setze ich dort Kontakt 61 ein und hatte nie wieder Probleme.
Es gibt von der Firma Kontakt Chemie zwar auch spezielle Pflegemittel für zarte Goldkontakte, aber ich weiß nicht, was da besser sein soll. Von Kontakt GOLD weiß ich als einzigen Vorteil nur, dass es Temperaturen bis 200 Grad standhalten soll.
Ich selbst verwende in der Niederspannungs-Elektronik seit langer Zeit fast ausschließlich das Kontakt 61 und bin sehr zufrieden!

Achtung bei Potis: Immer wieder verwenden manche Leute obiges Mittel auch für kratzende Potis, wovon ich aber abraten würde.
Für Potis gilt in Hi-Fi-Kreisen die Empfehlung, diese nur mit einem rückstandlos verdunstenden Mittel zu waschen (Tuner-Spray), ohne Einsatz sonstiger Chemie, wie Kontakt 61.
Denn auch wenn diese Mittelchen im ersten Moment deutliche Verbesserungen bewirken, gilt das als reiner Scheinerfolg! Siehe u.a. hier: http://www.musiker-board.de/faq-workshop…etrachtung.html

Abnutzung an der Kohlebahn älterer Potis kann halt keine Chemie mehr retten, diese bringt nur temporäre Erfolge bei leicht oxidiertem Schleifer, verschlimmert jedoch mit der Zeit das Problem (umstrittene Aussage, ich weiß).

Um Potis möglichst noch vor den ersten Ausfallerscheinungen langlebiger zu machen, eignet sich Teslanol T6-Oszillin. Dieses ist säurefrei und hinterlässt einen sehr langzeitbeständigen, konservierenden Schmierfilm, der die Kontaktmaterialien vor Korrosion schützt.
Als so ziemlich einzige brauchbare Alternative gilt - sehr überraschend! - die Salbe "Pulmotin" aus der Apotheke!
Quer durch die Hi-Fi-Foren wurden schon alle möglichen Mittel und Spezialmittel getestet, doch es scheint unter den sattsam erfahrenen Anwendern und Raparatur-Fachleuten offenbar Einigkeit zu bestehen, dass nur Teslanol T6-Oszillin und Pulmotin wirklich lang anhaltenden Erfolg bringen, ohne das Poti langfristig zu schädigen.

Ich selbst habe mit besagter Pulmotin-Salbe die unzuverlässig gewordenen Potis und Drehschalter meines alten Hameg-Oszilloskops wieder einwandfrei hin bekommen und hatte seither keine Probleme mehr. Die Auftragung der Salbe ist allerdings problematischer, als bei dem Teslanol Sprühöl, wenngleich Erwärmung hilft (da wird die Salbe flüssig, sie basiert halt auf Vaseline).



Oxidation an stark beanspruchten und oxidierten, elektrischen Kontakten:


Kontakt 60 von der Firma Kontakt Chemie - die "rote Dose".
Die Farbwahl deutet es schon an - heftiges Zeug!
Dieses Mittel bringt bei korrodierten Kontakten hammermäßige Erfolge! Denn es ist säurehaltig und wirkt reduzierend, löst also Dreck und Oxid im Nu.
Wegen dem Säuregehalt greift es allerdings mit der Zeit die soeben gereinigten Kontakte auch wieder an, daher muss es anschließend mit WL (ebenfalls von Kontakt Chemie) ausgewaschen werden.
Nach meiner Erfahrung kann man Drehstromstecker sorglos damit behandeln, ohne es auszuwaschen. Man sollte es jedoch dezenter auftragen, als mit dem Sprühröhrchen möglich (per benetztem Wattestäbchen).
Vor dem Zusammenstecken die Kontakte und Plastikteile damit behandelt, verhindert es selbst bei heftigen 125A-Drehstromsteckern zuverlässig dessen Festbrennen in der Kupplung. Auch nach einem Monat lassen sich nach meiner Erfahrung beide Verbinder ohne Kraftaufwand und "wie geölt" wieder voneinander trennen. Unbehandelt neigten die sonst dazu, sich regelrecht miteinander zu verschweißen.

Der häufigste Fehler beim Einsatz dieses Mittels ist wohl, dass es (erstens) ungehemmt per Sprühröhrchen überall hin gesifft wird (so dass es auch Schrauben, Kupferlitze und Kontaktmaterial benetzt) und dann (zweitens) dort einfach verbleibt, statt mit WL ausgewaschen zu werden. Durch den Säuregehalt zersetzt sich dann mit der Zeit das unedelste Metall.
Man bedenke, dass es sich in Kupferlitze regelrecht hinein saugt! Das kriegt man da kaum wieder heraus gespült. Daher: Dezent einsetzen!
Wer übrigens ein Poti ruckzuck töten will, der sprüht dieses säurehaltige Zeug dort hinein!



Mäßig taugliche Alternative für grobe Kontakte:


Ballistol.
Ballistol ist ein wundervolles Universalöl. Es reagiert bei längerer Einwirkung jedoch mit Kupfer, Messing und deren Legierungen.
Nach dem Einsatz zur Kontaktreinigung sollte es daher ausgewaschen werden, was zur Not schon mit Wasser weitreichend gelingt, da es gut mit Wasser emulgiert und nebenbei basisch wirkt (es wurde ursprünglich als Waffenöl entwickelt, um saure Pulverrückstände zu neutralisieren).
Um dann noch das Wasser rasch los zu werden, kann z. B. reiner Alkohol (Isopropanol) verwendet werden. Oder Druckluft.

In mancher Hausapotheke findet sich womöglich ein Fläschchen Neo-Ballistol. Dabei scheint es sich um das gleiche Mittel zu handeln, nur halt explizit für medizinische Anwendungen deklariert. Ich habe dieses Zeug immer dabei, ein echtes Universaltalent!
Man kann damit Wunden desinfizieren, man kann es mit Wasser verdünnt einnehmen (Beipackzettel beachten!), es entfernt Aufkleber, macht verharztes Fett wieder schmierfähig; überhaupt eignet es sich zur Schmierung von Fahrradketten und anderer Mechanik ...
Und seit über 15 Jahren habe ich keinen Rost mehr am Fahrrad, seit ich erstmals auf die gute Idee kam, den Drahtesel nicht mehr mit Wasser zu waschen, sondern mit einem in Neo-Ballistol getränken Lappen abzureiben und dann mit Papierküchentüchern zu polieren. Aber - es wird von Regenwasser mit der Zeit weitgehend abgespült, taugt am Rad also "eigentlich" nicht zur Langzeit-Konservierung, wenn man bei jedem Wetter fährt.
Am Rad verwende ich es dennoch nur 1-2 mal pro Jahr und habe wirklich keinen Rost.

Zur Kontaktreinigung erwarte man von diesem Mittel nicht die puren Wunder, denn es wirkt basisch, statt sauer. Aber es beseitigt halt einigen Schmutz, verbessert die Gleiteigenschaften grober Kontakte, bzw. der Kunststoffteile und lässt sich leicht auswaschen.

Ich betrachte die Anwendung von Ballistol in der Elektrik als eine relativ brauchbare Notlösung, wenn bei Notreparaturen gerade kein passenderes Mittel zur Hand ist. Es ist in Apotheken zumeist vorrätig, also auch auf dem Dorf rasch beschaffbar.
Aber ich betone: Wascht dieses Mittel bitte aus, nach der Anwendung!
Es ist ein sehr universelles Mittel, aber in wohl keiner Beziehung die wirklich allerbeste Wahl. Bitte selbst testen, wozu es taugt!


WD40


(http://www.wd40.de/faq/)
Dieses Universal-Öl ist - wie manche Elektroniker berichten - für empfindliche Elektronik gar nicht gut geeignet, weil es Langzeitschäden verursachen kann.
Dem widerspreche ich zum Teil. Denn dieses preiswerte, in vielen Haushalten vorhandene Mittel tut z. B. auf Platinen mit Flüssigkeitsschaden durchaus sehr gute Dienste, sofern man es wirklich dezent einsetzt (Wattestäbchen damit benetzen und die betroffene Stelle damit abreiben) und man es anschließend sorgsam auswäscht.
Also nix von wegen Sprühröhrchen druff und brutalo alles vollsiffen!
Sondern ganz gezielt und dezent nur auf korrodierten Stellen auftragen, dann mit dem benetztem Wattestäbchen etwas reiben. Mancher Oxidkram (leider nicht jeder ...) und Dreck löst sich im Nu! Anschließend mit reinem Alkohol und weiteren Wattestäbchen, oder Papiertüchern, gleich wieder runter mit dem Zeug.

Sonst ist das WD40 eher zum Lösen von Rost und zum Verdrängen von Feuchtigkeit gedacht. Z. B. an KFZ-Teilen.
Das genaue Rezept hält der Hersteller geheim. In Deutschland soll es jedenfalls zu 60-80% aus Petroleum (als Rostlöser) bestehen. Weiterhin aus alkoholischen Substanzen und/oder Benzin. Angeblich enthält es auch etwas Fischöl, was wohl die (ohnehin recht gering geratenen) Schmiereigenschaften verbessern soll. Der Hersteller bestreitet meines Wissens die Komponente Fischöl, allerdings weicht das Rezept auch von Land zu Land ab ...

Aus der Hauptzutat Petroleum leitet sich schon ab, dass dieses zum Lösen von Korrosion ein guter Ersatz ist, wenn kein WD40 zur Verfügung steht. Z. B. wenn mal eine festgerottete Schraube gelöst werden muss, an ener KFZ-Batterie.
WD40 hat bessere Kriecheigenschaften als Ballistol und bringt rasche, aber nur eher kurzzeitige Erfolge, z. B. als Rostlöser. Denn manche Inhaltsstoffe verflüchtigen sich relativ schnell, während verbleibende Rückstände längerfristig eben doch zum Verharzen neigen, wie einige Anwender berichten. Zum dauerhaften Ölen von Mechanik taugt es meiner Meinung nach nicht gut.

Gummi und Silikon quellen davon ebenso auf, wie von Alkohol (Isopropanol, Spiritus ...) und von Benzin bekannt, jedoch nur temporär. Manche Kunststoffe werden davon angegriffen.
Kunststoffe, Polymere, Elastomere schmiert man ohnehin besser mit Silikonöl oder Silikonfett .

WD40 ist aus meiner Sicht für praktisch gar keine Anwendung die erste Wahl - egal was die Werbung verspricht. Für wohl jeden damit möglichen Einsatzzweck gibt es deutlich geeignetere Mittel. Aber WD40 es ist leicht verfügbar und tut eben doch so manchen Job hinreichend gut.
Im Werkzeugkoffer sollte man meiner Meinung nach eher eine Reihe andere Mittel vorrätig halten, aber wenn vor Ort mal Mangel besteht und improvisiert werden muss, dann ist es durchaus eine große Hilfe, wenn man eine Dose WD40 auftreiben kann.
Es taugt recht überzeugend für so manchen Reinigungszweck, hinterlässt aber einen womöglich unerwünschten, öligen Schmierfilm.


Weitere Pflegemittel:


Ich verlinkte hier mal eine Broschüre der Firma HellermannTyton , die neben den meisten der erwähnten Mittel noch viele weitere auflistet und grob deren Einsatzbereiche beschreibt:
Service-Sprays

Es ist übrigens ein verbreiteter Irrtum, dass Kontakte "blitzsauber", im Sinne von "frei von Fett & Öl", sein sollten!
So sind Kontaktsprays ja durchaus ölig. Es ist halt wichtig, dass es sich um ein genügend dünnflüssiges, leicht verdrängbares Öl handelt.
Knopfzellen reibe ich gerne dünn mit Vaseline ab und halte das für eine wirklich sehr gute Lösung.
Für schwere Industriekontakte stehen sogar richtig zähe Kontaktfette zur Verfügung. Aber dort, wo viel Strom fließt oder hohe Spannungen im Spiel sind, so dass es brutzeln kann, kommen natürlich ausschließlich schwer entflammbare, hitzefeste Mittel zum Einsatz - Mittel, die darüber hinaus auch langfristig keine Kriechströme verursachen, z. B. durch unerwünschte Aufnahme von Luftfeuchtigkeit, oder gar Verkohlung.
Ein gutes Kontaktfett schützt die Anschlüsse vor Korrosion. Man denke an die Anschlüsse einer KFZ-Batterie, wo immer mal ein Säureklecks auftreten kann (dem das Fett natürlich widerstehen muss, sonst hat es keinen Sinn).


Kohlebürsten von Elektromotoren.

Theorie: Diese soll man "offiziell" generell nicht mit Chemiekram behandeln.
Nach meinen Recherchen besteht in der Fachliteratur seit Jahrzehnten Einigkeit, dass Kohlebürsten trocken zu laufen haben und besser keiner Chemie ausgesetzt werden. Lediglich die Metallteile der Kommutatoren darf man mit rückstandsfreien(!) Reinigungsmitteln behandeln.
Es gibt einen Sonderfall: Die unter und im Kraftstoff laufenden Pumpenantriebe von Auto-Einspritzanlagen. Deren Bürsten und Kommutatoren sind allerdings dafür ausgelegt.

Ehrlich gesagt: Ich halte das für graue Theorie! Was soll man denn bitte machen, wenn ein Motor wegen Dreck und Oxid an den Schleifern nicht mehr läuft, eine Zerlegung aber unrealistisch ist?
- Ich habe die Schleifer-Kontaktflächen stark versiffter, nicht mehr lauffähiger Kohlebürsten-Motoren schon öfters mit dem brutalen Kontakt 60 eingesprüht und damit guten Erfolg gehabt. Man kommt bei den Biestern ja oft gar nicht anders an die Problemstelle heran.
Aber man merke sich: Kontakt 60 ist säurehaltig! Mit der Zeit verätzt es die damit benetzten Stellen. Benetzt es gar die Verbindungsstelle verschiedenartiger Metalle, so zersetzt sich mit der Zeit das unedlere Metall. Darum gründlich auswaschen, wann immer es geht.
Zur Auswäsche würde ich bei Elektromotoren, statt dem teuren Kontakt WL, auch einen vergleichsweise sehr viel billigeren Bremsenreiniger in Erwägung ziehen. Wichtig ist aber, dass die Lackumhüllung der Wicklungsdrähte nicht angelöst wird. Im Zweifelsfall also vorher testen, wenn Ihr ein Mittel unbekannter Zusammensetzung einsetzt!
Beim Einsatz von Bremsenreinigern sollte darauf geachtet werden, dass auf der Sprühflasche explizit erwähnt wird, dass er rückstandsfrei versunstet (das sollte eigentlich jeder Bremsenreiniger, aber es gibt da so viele Produkte, dass man besser explizit darauf achtet).
Selbstflüsternd sollte man bei der Motorwäsche nicht so brutalo vorgehen, dass gleich noch die Lager mit entfettet werden ...

Bremsenreiniger ist übrigens weit universeller einsetzbar, als der Name vermuten lässt.
Sehr lobenswert ist eben die Eigenschaft der restlosen Verdunstung. Alles, was davon nicht direkt angegriffen wird, sollte damit also behandelbar sein, ohne dass Langzeitschäden zu befürchten wären.
Ich habe Bremsenreiniger auf alten Mainboards getestet, die ich damit ganz rücksichtslos beidseitig einsprühte. Und ich konnte keine Folgeschäden beobachten. Sollte auf einem Notebook-Mainboard aber ein Mikrofon bestückt sein, dann hätte ich da doch Bedenken.


Flüssigkeitsschäden an Platinen.

Meine Methode klingt haarsträubend, hat sich aber seit 25 Jahren bewährt. Die Platine wird zunächst mehrfach voll gebadet und dabei mit verschiedener Chemie behandelt: Lauge, Säure, abermals Lauge, dann Alkohol.

Mainboards aus Notebooks, die mit Getränken übergossen wurden, reinige ich zunächst gründlich und satt mit in Wasser aufgelöstem Waschsoda. Spülmittel täte es ebenfalls, aber ich bevorzuge, ohne es begründen zu können, Waschsoda, das ich mit einer Sprühflache reichlich aufsprühe.
Die Platine wird also in eine bereits feuchte Wanne gelegt, satt und reichlich mit Lauge eingesprüht und mit einem Pinsel abgerieben.
Mehrere Minuten lang, unter ausgiebigem Pinseln, einwirken lassen. Gefolgt von einem Vollbad in Wasser, um das Zeug wieder los zu werden.
Die Wanne (Katzenklo etc.) sollte bereits vorher feucht sein, um Elektrostatik zu vermeiden.

Danach folgt eine Behandlung gleicher Art, diesmal jedoch mit Zitronensäure, statt Soda. Säure löst halt andere Stoffe, als Lauge. Insbesondere bilde ich mir ein, damit Dendriten besser los zu werden, als beim alleinigen Einsatz von Lauge.
Wieder mehrere Minuten einwirken lassen und dabei ausgiebig pinseln. Dann wieder mit viel Wasser ausspülen.

Der dritte Reinigungsgang erfolgt mit Fensterreiniger von Viss, wieder nach gleichem Schema.
Das ist nunmehr schon die zweite Anwendung von Lauge, aber erst jetzt ist gewährleistet, dass sie auch wirklich überall hin kommt, also auch an solche Stellen, die zuvor womöglich von einer nur säurelöslichen Schicht bedeckt waren.
Nun sind wir fast fertig, diesmal besonders gründlich mit Wasser spülen!
Den letzten Spüldurchgang vorzugsweise mit destilliertem Wasser ausführen.
Zuletzt, um noch das Wasser selbst aus den tiefsten Spalten los zu werden, kommt eine intensive, mehrgängige Spülung mit reinem Isopropanol.
Mehrfach durch Schleuderbewegungen die Flüssigkeit heraustreiben und wieder neuen Alkohol aus einer geeigneten Chemikalien-Spritzflasche aufspritzen. Das Wasser muss komplett raus! Auch aus womöglich undichten Ferrit-Kapseln. Das geht nur durch viel viel, immer neuen Alkohol!

Den Alkohol treibt man zunächst sorgältig mit Druckluft aus (schon eine Ballpumpe tut den Job) und hilft zuletzt mit dem Föhn nach.
(Vorsicht beim Einsatz eines Heißluftgebläses, der verdunstende Alkohol könnte entflammen, oder sogar verpuffen!)
Anschließend ist die Platine wieder blitzblank; auch die Kupferflächen sind wieder hübsch.
Die Temperatur beim Trocknen sollte keinesfalls 80 Grad übersteigen, denn Isopropanol bildet mit Wasser ein Gemsich, dass bereits knapp über 80 Grad siedet ... und wir wollen ja keinen Popcorn-Effekt hervorrufen!

Das Trocknen braucht übrigens Zeit! sogar weit mehr als man denkt, denn Wasser diffundiert in die Resin-Umkapselung der ICs ein! Selbst ausgiebiges Föhnen reicht daher nicht, darum legt das scheinbar bereits vollständig trockene Mainboard noch mindestens 24 Stunden auf die Heizung. Nehmt Euch unbedingt die Zeit für diese Nachtrocknung, sie ist wirklich sehr wichtig!

Die optische Kontrolle nach all dem Aufwand erfolgt mit Uhrmacherlupe und starker Lampe.
Man wird jetzt allerhand durch das Isopropanol weiß gebleichte Lussmittelreste entdecken, die all das überstanden haben. Aber diese sind jetzt perfekt sichtbar!

Samliakgeist (9,5%) ist sehr gut tauglich, um hartnäckige Flussmittelreste aufzulösen. Es macht auch oxidierte Kupferflächen augenblicklich wieder blank! Die Anwendung ist allerdings leidvoll ... und ich empfehle den ausgesprochen sparsamen Einsatz (Tropfflasche, Wattestäbchen).
Salmiakgeist ist sehr aggressiv und greift bei längerer Einwirkung die PU-Umhüllung von Spulendräten an, also Vorsicht bei Induktivitäten!
Alle mit Salmiakgeist behandelten Stellen müssen gleich nach der Anwendung abermals mit Isopropanol gewaschen werden.

Sofern die Korrosion durch das eingedrungene Getränk nicht bereits Lötpunkte und/oder Leiterbahnen zersetzt hatte, sollte das gründlich getrocknete Mainboard nun wieder laufen!

Ich weiß, all das klingt haarsträubend, aber ich habe in 25 Jahren schon mehrere hundert Computer auf diese Weise gereinigt.
Ich kann hier nicht meine gesamte Erfahrung wiedergeben - natürlich gibt es Teile, die man NICHT auf diese Weise reinigen darf. Z. B. TFT-Screens. Man muss schon mit eingeschaltetem Hirn an solche Sachen heran gehen.

Ein Tipp noch zum Entfernen alter Wärmeleitpaste:
Ballistol und Wattestäbchen. Das Ballistol weicht auch vertrocknete, silbrige Wärmeleitpaste im Nu.
Dessen Einsatz erfolgt natürlich vor dem Baden der Platine, sonst schmiert das Zeug womöglich furchtbar rum.
Zuletzt noch mit Reinigungsbenzin und Wattestäbchen die letzten Schmierreste abwischen.
Benzin eignet sich übrigens auch schon allein ziemlich gut, um Wärmeleitpaste zu entfernen, aber bei silbrigen Pasten entsteht dabei ein kaum entfernbarer Feinfilm. Daher besser zuerst das Ballistol nehmen und erst wenn augenscheinlich alles weg ist, mit Benzin nachbehandeln.
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2

Montag, 3. Juni 2013, 22:44

Wow, danke für diese Infos!
WD-40 und Wattestäbechen, das peppt ja wie verrückt!

Habe das auf einer ziemlich angekokelten Platine probiert, mit einer darauf befindlichen Buchse, die schon so verschmurgelt war, dass ich sie nicht mehr neu verlöten konnte. Mit Kolophonium hatte ich da keine Chance. Und Kontakt 60 hatte ich nicht.
Bin dann wie beschrieben mit einem getränken Wattestab über die noch warme Löststelle.
Ssssst, alles blitzi blank! Irre!!
Keine Ahnung, ob die Restwärme das sogar noch zusätzlich beschleunigt hatte. Besser geht es jedenfalls nicht.

Aber eine Frage zu Deiner "haarsträubenden Methode":
Der dritte Reinigungsgang erfolgt mit Fensterreiniger von Viss,
Warum Glasreiniger von Viss? Du scheinst das irgendwie zu betonen, sonst hättest Du einfach nur "Glasreiniger" (oder "Fensterreiniger") gescrhieben.
Muss es das Zeug von Viss sien?

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3

Dienstag, 4. Juni 2013, 02:20

Hallo Taffel,

was das WD-40 betrifft, hängt es vom Anwendungsfall ab, ob es auf Platinen Erfolg bringt. Nicht jeder Flussmittelrest wird davon gelöst und angelaufenes Kupfer macht es nicht wirklich blank; außer man geht noch mit Entlötlitze drüber, was dann die Oxidschicht dann fast mehr mechanisch weg kratzt, als chemisch reduziert. Dabei schützt es natürlich vor augenblicklicher neuer Oxidation, da mag es also helfen.
Es gibt verschiedene Flussmittelarten und manche sind chemisch ausgesprochen schwierig zu beseitigen, da wird man mit WD-40 nix.
Mein aktueller Favorit für hartnäckige Flussmittelreste UND angelaufenes Kupfer ist 9,5%iger Salmiakgeist!

Warum Glasreiniger von Viss?
Ich habe früher mal in einem Computerladen gearbeitet, der auf Gebrauchtgeräte spezialisiert war.
Zu jener Zeit, als auch die letzten Mohikaner von ATARI auf PC umgestiegen sind, haben wir hunderte dieser Geräte von privat und aus Firmenbeständen angekauft, zerlegt, gereinigt, aufgemotzt.

Die Geräte waren üblicherweise in fürchterlichem Zustand. Sie stammten oft aus Raucherhaushalten, waren manchmal mit Aufklebern versehen, die Tastaturen waren mit allen möglichen Getränken vollgekleckert ...

Damals habe ich so ziemlich alle normal käuflichen Reinigungsmittel auf ihre Tauglichkeit getestet.
Gesucht war ein Reiniger mit folgenden Eigenschaften:

  • Einfach & hinreichend schnell in der Anwendung.
  • Nicht zu belastend für das Personal (keine übermäßig stechenden Dämpfe und auch ohne Handschuhe anwendbar).
  • Gute Reinigungskraft.
  • Kein Angreifen des Gehäusematerials oder innerer Teile.

Sieger meiner Testreihe war der Glasreiniger von Viss.

Das Zeug verdünnt man mit Wasser und sprüht es einfach aus 'ner Spühflasche satt auf die Flächen, unter Zuhilfenahme von Pinsel und/oder Schwamm.
Die Dämpfe sind erträglicher, als bei manchen anderen Glasreinigern.
Die Lösekraft für Nikotinablagerungen und üblichen Verschmutzungen war gut bis sehr gut.
Definitiv nichts wurde davon angegriffen. Man konnte auch Platinen und ganze Tastaturen regelrecht darin baden.

Zum Reinigen von Platinen ist das nach wie vor mein Mittel der Wahl. Wobei ich Geräte mit Flüssigkeitsschaden wie beschrieben zuvor noch mit Zitronensäure behandle (löst leichte Oxidation) und davor mit Waschsoda (damit die Zitronensäure auch überall hin kommt und nicht an womöglich vorhandenen, fettigen Ablagerungen abperlt).

Für Platinen reicht das dann auch.
Auf Gehäusen muss man hier und da noch mit Benzin bei (für Aufkleber), oder mit Spiritus (Filzschreiber). In seltenen Fällen auch mit einem speziellen Mittel gegen Kugelschreiberflecken. Aber darum geht es hier ja nicht.

Zur Reinigung von Computerteilen schreibe ich mal einen eigenen, längeren Beitrag, wenn ich Zeit habe.
Wollte hier nur Deine Frage beantworten, warum ich den Glasreiniger von Viss empfahl; speziell bezogen auf die Anwendung bei versifften Notebook-Mainbords.
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4

Mittwoch, 5. Juni 2013, 16:07

Danke für die Erklärung!

Noch eine Frage: Warum nimmst Du Isopropanol, um die Feuchtigkeit raus zu zihen?
Ich nehme Spiritus. Ist doch billiger. Oder spricht was gagegen?

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5

Mittwoch, 5. Juni 2013, 22:52

Hallo Taffel,

die Eignung von Spiritus zur Platinenreinigung wird unter Elektronikern kontrovers diskutiert.
Manche schwören darauf und freuen sich über den (angeblich) günstigeren Preis, gegenüber Isopropanol.
Andere geben zu bedenken, dass handelsüblicher Spiritus mit einem Vergällungsmittel und eventuell anderen Substanzen versetzt ist (zudem je nach Marke unterschiedlich), so dass man nicht absout sicher sein kann, welche Auswirkungen auf Elektronik zu befürchten sind.

Ich selbst habe jedenfalls jahrelang Spiritus genommen, zur letzten Endreinigung von Platinen und kann nichts Negatives berichten.
Doch das war vor der SMD-Zeit, ergo bleibt ein Restunbehagen, angesichts der Einwände mancher Elektroniker ...

Wann immer möglich, nehme ich daher Isopropanol.
Für bestückte Platinen ist es bestens geeignet, allerdings nicht für Gehäuseteile. Denn schwarze Gehäuseteile bekommen bei Kontakt mit dieser Flüssigkeit weiße, nicht entfernbare Flecken.

Für (speziell schwarze) Gehäuseteile, wo unbedingt Alkohol ran muss (Filzstift entfernen), nehme ich also Spiritus.
Für Platinen Isopropanol.

Sooo groß ist der Preisunterschied auch gar nicht.
Ich beziehe 99,9%iges Isopropanol zu rund 2,- EUR pro Liter.


Empfehlenswert ist der Einsatz einer korrekt beschrifteten Chemikalienspritzflasche.
Erstens aus Sicherheitsgründen, zweitens reduziert das den Verbrauch enorm.

Das Steigröhrchen bearbeite ich allerdings. Ich kürze es außerhalb der Flasche, seit ich mal mit dem Saughebereffekt eine unangenehme Überraschung hatte.
Eine Flasche Isop., die in ein wärmeres Zimmer gebracht wurde, ist mir dabei ziemlich leer gelaufen, bis ich es bemerkte. Der Alkohol dehnte sich durch die Wärme aus, stieg durch das Steigröhrchen hoch, bis schließlich der Saughebereffekt einsetzte. Dann pischerte die Flasche ganz von selbst leerer und leerer ...
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6

Samstag, 21. Februar 2015, 14:24

Hallo,

zunächst einmal vielen Dank für die interessante und hilfreiche Zusammenstellung. Ich habe mir auf die obige Empfehlung hin teslanol t6 Oszillin besorgt, um die Potis meines alten Dual CR 60, den ich vor Jahren auf dem Sperrmüll gefunden habe, zu entkratzen. Jetzt funktioniert die Lautstärke-Regelung wieder einwandfrei und beide Kanäle sind wieder gleich laut.

Dann ist mir ein Missgeschick passiert: ich habe ein defektes und stark verschmutzes iPhone mit dem t6 Spray gereinigt (nach dem Tausch des Akkus funktioniert dieses wieder). Dabei ist mir eine ziemliche Ladung t6 in das LCD gelaufen (ja, war nicht so schlau von mir … :064:). Jetzt hat das LCD dunkle Schatten, deren Muster auch noch je nach Betrachtungswinkel wechselt. Es muss also t6 in das Display selber hinein gelaufen sein.

t6 ist ja fettig/ölig, daher dachte ich daran, das mit Isopropanol zu reinigen, alternativ mit tuner 600. Kann mir da jemand was empfehlen oder von etwas absolut abraten?

Dankeschön

Kristian

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7

Samstag, 21. Februar 2015, 16:34

Hallo ki7,
willkommen im Forum! :298:

Zu Deinem Missgeschick:
Flüssigkeit zwischen den Schichten eines LCDs ist ein echtes Problem!
Es ist einigermaßen illusorisch, das mit Heimwerker-Methoden perfekt in den Griff zu bekommen.
Minimale Verunreinigungen, auch in Form von Staub, bleiben dabei immer erhalten. Das Ziel kann also nur sein, die Verunreinigungen so zu minimieren, dass das Ergebnis tolerierbar ist ...

Ich kenne den Aufbau des "Eifohne"-Displays nicht im Detail, aber ich habe schon Notebook-Displays in die einzelnen Schichten zerlegt. Dabei kommen mehrere Mikrostrukturfolien, unterschiedlicher Art, zum Vorschein.
Wegen ihrer Mikrostruktur haben die also eine raue Oberfläche und jeder Versuch, die abzuwischen, verursacht Abrieb des Lappens, der sich in den Strukturrillen festsetzt.
Schon ein einzelnes Staubkorn wird später deutlich sichtbar stören, weil dort die Folie minimal deformiert wird, was sich auf die komplizierte Lichtbrechung zwischen den Schichten auswirkt.

Ich weiß nicht, ob Du schon mal eine defekte Festplatte zerlegt hast?
Hinterlasse mal einen Fingerabdruck auf einer der Datenscheiben und versuche dann, den restlos zu entfernen (Scheibe gegen das Licht halten) - es gelingt nicht!

Selbst reinstes Isopropanol, oder auch Reinigungsbenzin, hinterlässt feine Schlieren. Da kann man putzen, mit was man will, man bekommt es nicht perfekt hin.
Baumwolltücher und Papier-Küchentücher, auch Wattestäbchen, scheinen bei so hochreinen Oberflächen die Verschmutzung eher zu vermehren, statt zu verringern.
Mikrofasertücher, oder ein Schwamm, sind da schon besser. Aber es bleibt hochgradig kritisch.

Auch ein Ultraschallbad hat sich bei mir nicht sonderlich bewährt.
Bei einem Display kommt hinzu, dass sich die Folienschichten (anders als Datenscheiben einer Festplatte) elektrostatisch aufladen und den immer vorhandenen Luftstaub geradezu "magnetisch" anziehen.
Mit einem Luft-Ionisator kann man dieses Problem drastisch entschärfen, aber es bleibt eine kritische Angelegenheit.

Wenn man zu Abstrichen bei der Perfektion bereit ist und minimale Schlieren auf dem Display tolerieren kann, dann ist es zu retten. Aber bei Isopropanol hätte Bedenken!
Wenn man Isopropanol auf schwarzen Kunststoff kleckert, verbeiben oft weiße Flecken. Das Zeug ist also nicht völlig neutral, gegenüber Kunststoff. Ich fürchte, es könnte die Mikrostrukturfolien trüben.

Eher würde ich es mit simplem Geschirrspülmittel, destilliertem Wasser (aus der Apotheke, nicht von der Tankstelle!) und einem Ultraschallreiniger probieren.
Die Folien dürfen aber zuletzt nicht abgerieben werden, schon gar nicht mit Baumwolle, oder Papiertuch.
Lege eine frisch gereinigte, noch nasse Folie lieber auf einen glatten Schwamm und tupfe die Oberseite mit einem zweiten Schwamm vorsichtig ab.
Den Rest macht die Lufttrocknung, in einer improvisierten "Reinraum-Kammer".
Der Zusammenbau des Displays sollte dann ebenfalls in dieser Kammer erfolgen.
So eine "Reinraum-Kammer" kann mit einem Tisch und Maler-Plane schnell improvisiert werden. Man arbeitet dann auf dem Boden, unter dem Tisch.
Aber beachte, dass ein menschlicher Kopf voller Schuppen ist, die er ständig und überraschend großzügig in der Gegend verteilt!
Wenn Du komplett in die Kammer kriechst, dann mache zumindest zuvor Dein Haar nass.


Es ist durchaus lehrreich, mal selbst versucht zu haben, ein Display mit Flüssigkeitsschaden zu retten. Aber sinnvoller ist in meinen Augen der schlichte Austausch.
Ersatz-Displays sind für verschmerzbares Geld leicht aufzutreiben und mit etwas handwerklichem Geschick ist der Austausch durchaus zu bewerkstelligen.

An Deiner Stelle würde ich es also wegen des puren Lerneffekts einfach mal probieren, aber innerlich stelle Dich schon mal drauf ein, dass die Aktion durchaus Stunden dauert und am Ende dann wahrscheinlich doch ein Austausch ansteht.

Ich habe schon 3, oder 4 Notebook-Displays mit Flüssigkeitsschaden gerettet, aber dem kritisch prüfenden Blick entgeht leider nicht, dass es doch etwas gelitten hat.
Ob sich ein iPhone-Display schadfrei in die einzelnen Schichten zerlegen lässt, um den arbeitsintensiven Job überhaupt durchführen zu können, weiß ich aber nicht.

Viel Glück!
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8

Samstag, 21. Februar 2015, 16:50

Danke für die ausführliche Antwort. Es ist ja noch benutzbar, vielleicht ersetze ich es und nutze es als "Testdisplay" um noch ein zweites iPhone für meine Frau herzurichten.

9

Donnerstag, 17. Dezember 2015, 01:29

Hi,
ich hab mich jetzt mal so nach Kontaktspray umgeschaut, da meine Potis anscheinend nicht mehr so ganz funktionieren.
Es hat sich herausgestellt, dass die meisten das Kontaktspray verfluchen, da sie
es nicht nur den Dreck von den Kontakten entfertn sondern auch noch andere Komponenten beschädigt.
Kontaktspray ist eigendlich für die ELektronik im Auto gedacht und nicht für Feinelektronik wie in einem Amp.
Was für Alternativen zu Kontaktspray, kennt/habt ihr?
Und wie reinigt ihr eure Potis.
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Desi

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10

Samstag, 19. Dezember 2015, 16:19

Es hat sich herausgestellt, dass die meisten das Kontaktspray verfluchen, da sie
es nicht nur den Dreck von den Kontakten entfertn sondern auch noch andere Komponenten beschädigt.
Kontaktspray ist eigendlich für die ELektronik im Auto gedacht und nicht für Feinelektronik wie in einem Amp.
Genau deswegen wurde der Startbeitrag dieses Threds erstellt:
Es gibt einfach zu viele Leute, unter "Kontaktspray" typischerweise das säurehaltige "Kontakt 60" verstehen (das Zeug in der roten Dose). Und das ist in vielen Fällen schlicht fatal!
"Kontakt 60" bewirkt zwar im ersten Moment echte Wunder, bei grober Elektrotechnik mit korrodierten Kontakten. Bei längerer Einwirkung ätzt es aber alles kaputt.
Dieses Mittel muss daher nach der Anwendung unbedingt wieder ausgewaschen werden (steht alles im Startposting).

Für sensiblere Sachen ist es auch gar nicht gedacht. Da kommt eher das säurefreie "Kontakt 61" zum Einsatz (die blaue Dose).
Dieses Mittel eignet sich dazu, z. B. Steckverbinder (neue, noch unkorrodierte) leichgängiger zu machen. Dafür sorgt ein gaaanz zarter Schmierfilm, der sich ganz leicht verdrängen lässt und daher den Kontakt nicht stört. Aber es eignet sich nicht dazu, bestehende Korrosion zu entfernen, weil es halt keine Säure enthält.

Also:
  • Für groben Kram (KFZ, Drehstromstecker ...): Kontakt 60. Aber im Anschluss unbedingt auswaschen, wie vom Hersteller empfohlen!
  • Für feine, noch korrosionsfreie Elektronik-Kontakte: Kontakt 61.
Es gibt von den diversen Herstellern ein ganzes Arsenal spezialisierter Kontaktsprays, für alle möglichen Spezialfälle. Nach meiner Meinung ist das aber eher übertriebener Esoterik-Kram. Ich selbst verwende immer nur Kontakt 60 und Kontakt 61.
Nur für Potis würde ich etwas anderes nehmen.

Was für Alternativen zu Kontaktspray, kennt/habt ihr?
Und wie reinigt ihr eure Potis.
Steht ebenfalls im Statposting, im Abschnitt von "Kontakt 61".
Ich habe damals zahlreiche Hi-Fi-Foren abgeklappert und mir die Ratschläge langjährig erfahrener User durchgelesen. Es läuft bei Potis immer wieder auf zwei Empfehlungen hinaus:
  1. Teslanol T6 Oszillin
  2. Pulmotin-Salbe (aus der Apotheke)
Quer durch alle Foren sind das die meistgelobten Empfehlungen für Potis. Andere Mittelchen werden stets dafür kritisiert, dass sie nur kurzfristigen Erfolg bringen, die Potis dann aber umso schneller komplett unbrauchbar machen.

Bei Pulmotin versteht eigentlich keiner, wieso ausgerechnet genau dieses Zeug in der Praxis so großartige, lang anhaltende Eigenschaften hat. Es besteht hauptsächlich aus Vaseline, mit verschiedenen ätherischen Ölen.
Es wird vermutet, dass das ätherische Öl schmutzlösende und sogar sanft korrosionslösende Eigenschaften entfaltet und anschließend von selbst verdunstet. Zurück bleibt nur ein zarter Vaseline-Film, der vor neuem Schmutz, sowie vor Feuchtigkeit (und damit neuer Korrosion) schützt.

Für Schaltungsentwickler hätte ich aber einen viel grundlegenderen Tipp zur vollständigen Problemvermeidung:
Man verwende keine Potis mit Schleifkontakten, sondern optische Encoder mit einem "Digital-Poti". Also einem IC, der die Position des Encoders elektronisch in einen korrespondierenden Widerstandswert umwandelt.
Nix Schleifer, nix Abrieb, nix Alterung, nix Korrosion! Sondern ein stets exakt reproduzierbarer Widerstandswert, zu jeder mechanischen Position des Bedienelements.
.
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11

Samstag, 18. März 2017, 18:24

Ein paar weitere Tipps

Ich habe das Startposting mal geringfügig überarbeitet.
Hier ein paar weitere Tipps, die ich dort nicht einbauen wollte, um es nicht zu sehr aufzublähen:

Tropfflaschen


Bei vielem Chemiekram bietet es sich an, diesen in kleine Nadelflaschen/Tropfflaschen umzufüllen:



Hauptsächlich drei Gründe sprechen dafür:
  1. Kostenersparnis und geringeres Gepäckvolumen!
    Für mobile Servivicetechniker ist es oft erforderlich, ein ganzes Arsenal an Chemikalien mitzuschleppen. Dabei werden in aller Regel lediglich wenige Tropfen benötigt.
    Das Umfüllen in die kleinen Tropfflaschen spart also viel Gepäckvolumen, gegenüber den viel größeren Sprühdosen.
    Mir ist es sogar mal passiert, dass sich beim Transport eine Sprühdose Kontaktspray im rappelvoll gestauchten Rucksack weitgehend entleerte, weil der Deckel ab ging und den Sprühknopf freigab ... :-(
    Zudem: Eine Sprühdose trägt selbst mit dem kleinsten Sprühstoß das rund Hundertfache der benötigten Menge auf.
    Es spart wirklich viel Geld, die Substanzen umzufüllen. Ich muss inzwischen nur noch sehr viel seltener Chemikalien nachkaufen, seit ich solche Tropffläschchen einsetze, die eine viel sparsamere und gezieltere Dosierung ermöglichen. Die geringen Anschaffungskosten haben sich also sehr schnell rentiert.
  2. Sprühdosen lassen sich oft nicht vollständig entleeren. Gerade bei Kontakt 61 passiert es mir immer wieder, dass das Treibgas schon lange "alle alle" ist, obwohl die Dose noch zu einem satten Drittel voll ist. Vermutlich verringert das ölige Mittel die Dichtheit des Ventils. Jaja, ich kenne eine Reihe von Tricks zur Restentleerung, aber es nervt!
    Es ist besser und spart viel Geld, so eine noch nicht restentleerte Dose ohne Treibgas aufzuschneiden und das verbliebene, kostbare Nass umzufüllen.
  3. Die präzise Dosierbarkeit!
    Ich betone ja immer wieder, dass man die im Startposting beschriebenen Mittel sparsam einsetzen sollte, weil die Überdosierung eine Reihe Probleme verursachen kann - abgesehen davon, dass deren Verschwendung schlicht teuer ist.
    Die Sprühdosen von Kontakt Chemie tragen schon mit dem kürzesten Sprühstoß eine viel zu große Menge auf. Und das zudem reichlich unkontrolliert, mit feinen Spritzern überall hin.
    Bei einer nur ganz dezenten Bedienung des Druckknopfes entweicht außerdem vergleichsweise viel Treibgas, im Verhältnis zu der jeweiligen Nutzflüssigkeit, so dass am Ende die Dose nicht ganz leer wird, weil das Treibgas bereits verbraucht ist.
    Bei anderen Chemikalien, wie Salmiakgeist, Isopropanol, oder flüssigem Flux - aber auch zum Nachfüllen von Tintenpatronen, ermöglichen erst solche Tropffaschen eine sichere und präzise Dosierung. Besser sogar, als mit Einweg-Spritzen.

Aktuell verwende ich diese hier:
10 Stück 30ml Nadelflasche Nadelflaschen PET Leerflaschen Tropfflaschen Dropper

Sie bestehen aus PET und die Fassungsmenge von 30 Millilitern ist sehr angenehm. Mehr als satt ausreichend groß für jeden normalen Service-Einsatz, aber doch wesentlich kleiner als die üblichen Sprühdosen.
Die Tropfflaschen sind absolut dicht; auch wenn man sie stark quetscht, tritt nichts aus. Die Tülle oben an der Nadel hält dem Druck wirklich stand!
Es ist aber recht leicht möglich, die weiche Tülle so stark auf die Nadel zu pressen, dass die Tülle dabei durchstoßen wird. Das lässt sich verhindern, indem man als "Stopper" ein Stück Litzenisolierung passender Länge über die Nadel schiebt.
Die stumpfe Nadel ermöglicht die Zugabe von flüssigem Flux an sogar stark erhitzten Platinen - anders als Kunststoff-Pipetten. Auch um Öl direkt ins Innere eines Türschlosses zu spritzen, taugt die dünne Nadel sehr gut.
Ölige, wie auch wässrige (saure, alkalische, alkoholische ...) Flüssigkeiten, lassen sich damit auf den Tropfen präzise dosieren, aber auch sattere Spritzer sind damit möglich.

Es gibt solche Flaschen auch aus anderen Materialien. Inzwischen halte ich HD-PE für die beste Wahl.

HD-PE ist laut Wikipedia für viele Chemikalien undurchlässiger und dagegen auch beständiger, als LD-PE, oder PET .
Bei Deckeln aus PET habe ich sogar beobachtet, dass sie mit der Zeit spröde und brüchig werden. Das überrascht, denn meine oben gezeigten Tropfflaschen bestehen ja (laut Lieferant) angeblich aus PET und die zeigen, nach nunmehr mehreren Monaten, noch keinerlei Beeintreächtigung! Aber die aus PET bestehenden Deckel anderer Fläschchen wurden halt spröde und brüchig. Da scheint es also Unterschiede in der Materialqualität zu geben
Bei HD-PE konnte ich bislang keinerlei Nachteile bemerken.

Wo ich selbst noch unsicher bin, das ist die akademische Frage, ob und welche Komponenten womöglich mit der Zeit durch das Material hindurch diffundieren können. Oder inwieweit Luftfeuchtigkeit ins Innere diffundieren kann. Bemerken konnte ich davon in der Praxis jedenfalls binnen einiger Monate absolut nichts.
Das Problem wird ohnehin dadurch entschärft, dass das Fassungsvermögen der kleinen Flaschen doch recht gering ist, man verdirbt also kein größeres Gebinde, durch womöglich unsachgemäße Lagerung.

Für die ordnungsgemäße Sicherheitsbeschriftung (hey, es sind Chemikalien!!!) habe ich momentan leider noch keine so richtig gute Lösung.

Packt man mehrere solcher Fläschchen in eine dicht abschließende Butterbrotdose, so kann man zu auswärtigen Service-Einsätzen vollkommen gefahrlos und schön platzsparend ein ganzes Arsenal verschiedener Mittelchen transportieren.

Bislang habe ich die Fläschchen mit folgenden Inhalten erfolgreich getestet:
  1. Isopropanol (99,9%)
  2. Spiritus
  3. Flüssiges Flux "X-M3" (Din-EN 29454 / 1.2.3.A.)
  4. Terpentinersatz
  5. Kontakt 61
  6. Petroleum
  7. Nagellack-Entferner (ohne Aceton)
  8. Salmiakgeist 9,5% (Achtung, nur eingeschränkt tauglich!)
Es sind keinerlei Ausdünstungen erschnüffelbar und die Flaschen zeigen davon keinerlei Mattigkeit, oder sonstige Beeinträchtigung.

Einzig der Salmiakgeist hat mir im Laufe einiger Tage bei zwei Flaschen die Verbindung zwischen der Hohlnadel und dem Deckel gelöst. Zwar ohne sichtbarem Schaden, wie z. B. aufgelöstem Kunststoff, aber die Nadel sitzt nicht mehr fest im Deckel und lässt sich mit der bloßen Hand herausziehen und wieder einschieben. Einen einzelnen Arbeitstag, bzw. auswärtigen Service-Einsatz, übersteht der Deckel problemlos, aber zur dauerhaften Lagerung von Salmiakgeist eignen sich zumindest diese Fläschchen, mit den eingeklebten Metallnadeln, eindeutig nicht - es sei denn, man tauscht zur Lagerung entweder den Deckel gegen einen ohne eingearbeiteter Nadel, oder man findet eine zuverlässige Verklebungstechnik.

Die Tauglichkeit für handhabbar verdünnte Säuren und Laugen habe ich noch nicht ausgiebig getestet, erwarte da aber keinerlei Probleme.



Salmiakgeist


Flussmittelreste kriegt man mit keiner einigermaßen milden Chemie dieser Welt richtig gut weg.
Ich habe im Laufe der Jahre schon alles mögliche ausprobiert und nächtelang erfolglos recherchiert.
Mein absoluter Favorit ist Salmiakgeist!
Ein Tröpfchen auf der betroffenen Stelle einwirken lassen, dann mit einem Wattesäbchen etc. entfernen. Nachbehandlung mit Isopropanol, um das Gewissen zu beruhigen.

Salmiakgeist ist wirklich der Hammer, aber die Dämpfe sind es auch! Und man möchte das Zeug ganz definitv nicht im Auge haben!
Die Tropfflaschen ermöglichen eine maximal gefahrlose, präzise Dosierung dieser fiesen Chemikalie, ohne Spritzer, ohne Geklecker, ohne Auslaufen.
Angesichts der minimal gering gehaltenen Einsatzmenge werden die wenigen Dämpfe dann auch ertragbar.
Aber wenn Ihr Salmiakgeist in solche Fläschchen umfüllt, dann tragt dabei unbedingt eine richtig gute Schutzbrille!

Ich konnte bislang noch keine schädlichen Auswirkungen auf Platinen feststellen und ich fand kürzlich sogar eine Platinenreinigungs-Flüssigkeit für Ultraschallbäder, die neben anderen Bestandteilen auch "1-5% Ammoniak" enthält. Vermutlich ist damit Salmiakgeist gemeint.
SKSonic Flussmittel Entf. 0,5 Liter für die Ultraschallreinigung
Ich habe den obigen Reiniger zwar noch nicht ausprobiert, will damit nur auf den Anteil "Ammoniak" hinweisen, was ich Beleg für die schadfreie Tauglichkeit zur Platinenreinigung und Flussmittelentfernung werte.
Bedenkt aber: Bei langer Einwirkung greift Salmiakgeist die PU-Ummantelung von Spulenwickeldraht an. Daher nur ganz sparsam anwenden und gleich im Anschluss auswaschen!

Angelaufenes Kupfer:
Nebenbei gibt es einen interessanten Effekt: Verreibt man einen Tropfen Salmiakgeist auf einer angelaufenen Kupferfläche, so wird diese augenblicklich wieder blank!
Ich habe diese Wirkung mit einer ganzen Reihe anderer Chemikalien verglichen und für unübertroffen befunden. Leider ist mein Kontakt 60 gerade alle, das wäre wohl der einzige würdige Gegner. Aber gegenüber recht harter Säure ist Salmiakgeist, so fies es auch für die Nase ist, ganz sicher gutmütiger zur Platine, den Bauteilen und dem Lot!
Die Kombination auf Flussmittelentfernung und dem positiven Effekt auf angelaufenes Kupfer lässt mich hoffen, dass auch ein segensreicher Einfluss auf Dendriten zu erwarten ist.


Ultraschall


Ultraschallbäder werden einerseits durchaus zur Platinenreinigung verwendet, gleichzeitig sind sie unter Elektronikern aber auch umstritten.
Auf YouTube wirbt ein Hersteller damit, dass sein Gerät sogar Alufolie zerfetzt!
Man kann sich vorstellen, was so ein Gerät auf einem Mainboard anrichten könnte, womöglich innerhalb der Chips ...

Ich selbst besitze nur einen 08/15 Ultraschallreiniger, verwende ihn aber nicht, weil er zur Platinenreinigung schlicht wirkungslos ist.
Egal welche Chemie ich da einfülle, egal wie lange ich es darin bade und egal wie heiß die Lösung ist - das Gerät bringt es nicht.
Jede Verschmutzung, die meiner sonstigen Reinigungsprozedur widersteht, wird von meinem Ultraschallbad nicht im Geringsten beeindruckt.

Dennoch habe ich gerade eine neue Hoffung bezüglich einer zugleich schonenden und effektiven Reinigung mit Ultraschall.
Und vielleicht mag einer von euch das mal ausprobieren?
- Es gibt inzwischen echte Ultraschall-Zahnbürsten.
Schon früher nannten sich manche elektrische Zahnbürsten so, aber das war im Grunde Betrug, da war keine Spur von "ultra".
Doch inzwischen gibt es tatsächlich echte Ultraschallbüsten, mit direkt in den Kopf eingebauten Piezos.
Bei eBay:
Emmi-Dent Ultraschall-Zahnbürste

Video:
Emmident Tutorial

Erstaunlich: Der Piezo soll 96 Millionen Schwingungen pro Minute erzeugen! Das ist weit mehr, als man beim Begriff "Ultraschall" überhaupt erwarten würde.
Wenn das Video kein Fake ist (was ich auch nicht glaube), dann sieht man deutlich die massive Erzeugung winziger Kavitationsblasen im Wasserglas. Genau das ist es auch, was bei der Ultraschallreinigung die gewünschte Wirkung erzielt.
Wegen der andererseits doch sehr soften Energie, erwarte ich hier wirklich Null Gefährdung einer bestückten Platine - anders als bei dem weiter oben erwähnten Gerät, das Alufolie schreddert ...
Und durch die Bürste kann man die Wirkung gezielt da erzeugen, wo sie gewünscht wird; ein großer Vorteil bei der gezielten Nachbehandlung von neu verlöteten ICs, wenn man dort das Flussmittel entfernen möchte, um Dendritenbildung zu unterbinden.

Ich kann mich derzeit noch nicht dazu durchringen, so ein Teil mal testweise anzuschaffen, aber falls einer von Euch so ein Ding besitzen sollte, wäre ich an einem Testergebnis interessiert!
Der Test sollte an durch den Einsatz von Isopropanol weiß verkrustetem Flussmittelrest erfolgen, unter Einsatz von milder Chemie, ohne Salmiakgeist.
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12

Sonntag, 23. April 2017, 20:06

Was man im Internet so alles aufspürt ...

... erinnert an den Gang zum Arzt - geht man mit seinem Wehwehchen zu 10 Ärzten, so erhält man ungefähr 10 Diagnosen.

Auch ich recherchiere (trotz reichlich Praxiserfahrung) nach wie vor täglich, um mein Wissen zu erweitern und zu untermauern.
Doch manchmal stößt man dabei auch auf völligen Blödsinn, der sich sogar anmaßt, vermeintliche Fehlannahmen zu korrigieren.

Hier versucht einer, den angblich sich "hartnäckig haltenden Brauch", Batteriekontakte zu fetten, zu widerlegen.
Zitat:

Das ist einfach nur Unsinn. Fetten nützt nicht mal was bei nicht vergammelten Kontakten.
Das Fett wird erst aufgetragen nachdem die Pole gereinigt und verschraubt sind.
Auch wenn Mechaniker in aller Welt erst fetten und dann schrauben! Sie
wissen nicht, dass das Zeug nichtleitend ist. Wer's nicht glaubt kann ja
einfach mal den Widerstand messen (= unendlich).


Nun, dem widerspreche ich energisch!
- Natürlich sind Fette und Öle Isolatoren! Bis hierhin gebe ich dem Verfasser des Zitates noch Recht!
Aber sie werden durch den Druck der Kontakte an den entscheidenden Flächen augenblicklich verdrängt!
Wer sich davon selbst überzeugen möchte, dass das wirklich klappt, der verstreiche ein beliebiges Öl (oder Fett) auf einer leitfähigen Fläche und setze die Messspitzen des Durchgangsprüfers an.
Ergebnis: Perfekter Durchgang!
Selbst der minimale Druck der Messspitzen verdrängt das Fett vollkommen zuverlässig! Ganz zu schweigen davon, was passiert, wenn höherer Kontaktdruck vorliegt.
Und das passiert nicht nur im Niederspannnungsbereich bei geringem Strom (Durchgangsprüfer), sondern auch bei höheren Spannungen/Strömen - glaubt es mir, oder (besser!) testet es selbst!

Glaubt also nicht jeden Quatsch, wenn jemand meint, mit vermeintlich "guten Argumenten" schlichte Tatsachen zu negieren. Sondern macht im Zweifelsfall eigene Experimente, wenn Ihr mal auf widersprüchliche Aussagen stoßt.

Schnurzegel, ob Batteriekontakte heutzutage verzinkt sind (wie im zitierten Beitrag erwähnt) oder nicht: Fett schützt!
Eine Zinkschicht schützt allein dadurch, indem sie sich selbst "opfert" (Stichwort: Opfer-Anode ).
- Wie viel besser ist es wohl, es möglichst komplett zu vermeiden, dass die "Opfer-Anode" sich überhaupt erst opfern muss?
Kontaktfett tut diesen Job!

Es gibt Firmen , die sich professionell mit solchen Themen beschäftigen und die auftretenden Effekte gründlich untersuchen.
Hier mal ein Dokument der Firma Klüber Lubrication, das den oben zitierten Unsinn wohl hinreichend entkräftet:
https://www.klueber.com/ecomaXL/files/Ko…he_Kontakte.pdf


Mein Fazit:
Fettet, bzw. ölt Eure Kontakte!
Egal, was für Blödsinn Ihr im Internet findet.
Öl und Fett leiten zwar nicht, trotzdem verbessern beide den Übergangswiderstand, sowie die Gleiteigenschaften, und schützen vor Korrosion.

Ungefettete Kontakte und Metalle, die auch nur indirekt der Witterung ausgesetzt werden, sehen nach einiger Zeit ungefähr so aus (Bilder aus meiner eigenen Praxis):





- Und das sind noch eher harmlose Fälle; ich habe schon ganz andere Sachen gesehen.

Wie schon erwähnt: Ein gutes Kontaktfett erhöht die Lebensdauer der Kontakte erheblich! Im Zweifelsfall hilft jedwedes Fett oder Öl, aber man sollte die Dosierung nicht übertreiben, insbesondere wenn man Zweifel hegt, bezüglich der Eignung für den jeweiligen Anwendungsfall.
Bei elektrisch stark belasteten Schaltkontakten treten Lichbögen auf, die ein ungeeignetes Fett verbrutzeln können/werden.
Aber wenn man sparsam dosiert und nur dünne Schichten aufträgt, ist selbst simple Vaseline besser, als völlig ungeschützte Kontakte, denn sie schützt zumindest die angrenzenden Bereiche vor Korrosion, selbst wenn sie im direkten Bereich des Lichtbogens verbrennt.

An den Kontakten einer KFZ-Batterie treten natürlich keine Lichtbögen auf, denn dort wird ja ein permanenter Kontakt hergestellt.
Dort geht es also nur um bloßen Korrosionsschutz, sowie um die Verringerung des Kontaktwiderstandes.
Natürlich tut hier nahezu jedwedes Fett einen prima Job.
Und natürlich ist es besser, bereits vor der Verschraubung ein Kontaktfett (oder simple Vaseline) aufzutragen. Es ist mir unverständlich, wieso der Verfasser des obigen Zitates den Sinn anzweifelt, unter Verweis auf den faktisch zunächst zwar zutreffenden , aber dennoch blödsinnigen Hinweis, dass Fett ein Isolator ist.

Um es noch einmal auf den Punkt zu bringen: Ja, Fett isoliert. Dennoch verbessert es den Übergangswiderstand, sowie die Gleiteigenschaften und schützt vor verschiedenen Korrosionsarten.
Es hält Luft, Wasser und diverse, aggressive Medien von den Metallflächen fern.
An den eigentlichen Kontaktstellen wird es durch den bloßen Anpressdruck zuverlässig verdrängt und stört nicht.

Überlegt mal, wie viel besser die in den Bildern gezeigten Kontakte und Schrauben wohl aussehen würden, wären sie auch nur mit Vaseline geschützt worden!
Damit ein Fett die maximale Wirkung entfalten kann, also wirklich jedes bisschen Luft fern hält, sollte es vor dem Zusammenschrauben aufgetragen werden. Durch die Verringerung des Gleitwiderstandes lassen sich Schrauben sogar ein spürbares Stück fester anziehen, was wiederum eine Verringerung des Kontaktwiderstandes bewirkt.
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