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Donnerstag, 20. April 2017, 18:40

Samsung R525: Interaktion Monitor/Tastatur?

Liebe Experten,

das Samsung R525 einer Freundin, das ich gerade versuche zu reparieren, stellt mich vor ein ziemliches Rätsel:

Es fing mit einem physisch kaputten Display an (Bruch im Glas), das ich "schnell mal" wechseln wollte. Über den VGA- und HDMI-Ausgang ließen sich externe Monitore problemlos betreiben, Grafik"karte" und so schien also alles o.k., aber da es ja ein Notebook ist wäre es halt schon cooler, wenn das eingebaute Display wieder funktionieren würde.

Habe also in der Bucht ein Display bestellt, mir bei YouTube ein schönes Video angeschaut wie man es wechselt, und eine halbe Stunde später war´s drin.
Das Display funktionierte auch 1a, Start-Screen von Windows Vista, alles Tip-Top - nur spinnt die Tastatur seitdem :-(

Die STRG-, ALT- und Umschalttaste funktionieren noch, bei allen anderen Tasten kommen komplett andere Zeichen oder Funktionen.
Was fehlerfrei funktioniert ist 1. die Bildschirm-Tastatur, und 2. externe USB-Tastaturen.
Mit einem etwas schlechten Gewissen, beim Display-Tausch die Tastatur geschrottet zu haben (nein - mir ist KEIN Bier oder Kaffee reingelaufen), habe ich fix eine neue Tastatur bestellt und eingebaut - aber das Problem bestand in genau dieser Form weiter: Wieder keinerlei Zusammenhang zwischen den gedrückten Tasten und dem resultierenden Zeichen.

Um das Problem einzugrenzen habe ich das neue Display wieder ausgebaut und das alte eingebaut, ´nen externen Monitor angeschlossen (denn das kaputte Display ist wirklich richtig kaputt) - und siehe da: Die Tastatur funktioniert einwandfrei.

Das Problem ist also soweit eingekreist, dass das neue Display (das als solches einwandfrei funktioniert!!) die Tastatur offensichtlich nachhaltig stört.

Hat vielleicht irgendjemand hier den Ansatz einer Idee, woran das liegen könnte? Ich bin mit meinem Latein am Ende für jeden Rat dankbar...

Grüße,

Daniel

EDV-Dompteur

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2

Donnerstag, 20. April 2017, 20:26

Hallo Hobbylöter, bzw. Daniel,

autsch, das ist ja mal ein wirklich sonderbares Problem! 8-|
Ich konnte so "auf die Schnelle" keinen Schaltplan für den R535 finden (vielleicht kannst Du den auftreiben?), aber die Tastatur ist elektrisch dermaßen "woanders", als alles, was mit Grafikausgabe zu tun hat, dass so eine gegenseitige Beeinflussung eigentlich nicht sein kann.

Drei Gründe könnte ich mir (sehr an den Haaren herbei gezerrt) vorstellen:
  1. Die Spannungsversorgung des 3,3V-Wandlers ist womöglich mies gesiebt und das Vorhandensein des Displays reicht so gerade eben, um erste Störungen in Erscheinung treten zu lassen. Vielleicht war es schon mit dem alten Display hart an der Grenze zu ersten Ausfällen, aber das neue Display zieht eine Spur mehr Strom?
  2. Eventuell war der Stecker am Display nicht ordnungsgemäß gesteckt, sondern leicht schief?
    Frage mich nicht, wie das einen solchen Fehler erzeugen könnte, zumal das Display ja anständig seinen Dienst tat. Aber es passiert leider sehr leicht, dass diese Stecker beim Einbau wieder ein Stück weit heraus ruckeln, obwohl man sie ordentlich gesteckt hatte.
    Könnte also sein, dass der Fehler weg ist, wenn Du das Display jetzt noch mal neu anschließt.
  3. Manchmal sind noch das Mikrofon und die Webcam über das gleiche Kabel geführt, über dass auch die LVDS-Signale zum Display laufen. Im Displaydeckel splittet es sich dann auf.
    Die Webcam hängt intern typischerweise an einem USB-Port, der von der Southbridge abgebildet wird. An der Southbride hängt aber auch die Tastatur - nicht unbedingt direkt, sondern über einen zwischengeschalteten Keyboard-Controller. Jedenfalls wäre die Southbride der Chip, über den sowohl die Daten der Kamera, als auch der Tastatur laufen.
Kann es möglicherweise sein, dass Dein Problem in Wahrheit mit der Webcam zu tun hat und nicht mit dem Display?
Baue doch das Display mal wieder ein, fixiere dessen Stecker mit Klebeband (nicht zu sparsam!) und stecke gegebenenfalls die Webcam ab.
Falls das Mikrofon im Deckel sitzt und nicht auf der Platine der Webcam integriert ist, dann auch mal dessen Kabel kritisch beäugeln. Denn auch die Mikrofonsignale laufen nach der Digitalisierung über die Southbride. Und da kann manchmal noch so ein SPDIF-Signal im Spiel sein ... aber ohne Schaltplan alles schwer zu beurteilen, da musst Du halt mal schauen.
An der Abschirmfolie im Deckel hast Du doch hoffentlich nichts verändert, oder?
Macht Technik dir das Leben schwör, ruf' schnell den EDV-Dompteur! ;-)

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3

Freitag, 21. April 2017, 00:11

Hallo Stefan,

einen Schaltplan habe ich z.B. hier gefunden:

Versteckter Text Versteckter Text

Dieser Text wurde vom Autor versteckt.
Wieso das Ding dort "Bremen-D" heißt verstehe ich zwar nicht, aber im Netz taucht dieser Name immer wieder mal für das NP-R525 auf. Auch wenn ich mich jetzt schon über 30 Jahre auf Amateur-Niveu mit Elektronik beschäftige muss ich allerdings zugeben, dass dieser Schaltplan für meine geistigen Kapazitäten eindeutig zu komplex ist :-)

Wie auch immer: Die Webcam hängt in der Tat am selben "Strang" wie das Display, und ich werde morgen gleich mal versuchen was passiert, wenn ich sie abhänge. An Abschirmungen oder ähnlichem habe ich nix verändert. Das Display ist übrigens kein Original-Teil von Samsung, es wurde aber als passend für den R525 angeboten. Möglicherweise zieht es tatsächlich ein bisschen mehr Strom als das Original... Ein Oszi hätte ich sogar hier um den 3,3V mal auf den Zahn zu fühlen - wenn ich wüsste wo...

Ich sage morgen mal bescheid was ohne Webcam passiert!


Edit von EDV-Dompteur: Ich habe bei solchen Sachen immer argen Zweifel, bezüglich des Copyrights, weswegen ich Deinen Link mal lieber "versteckt" habe.

EDV-Dompteur

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4

Freitag, 21. April 2017, 01:00

Auch wenn ich mich jetzt schon über 30 Jahre auf Amateur-Niveu mit Elektronik beschäftige muss ich allerdings zugeben, dass dieser Schaltplan für meine geistigen Kapazitäten eindeutig zu komplex ist :-)
Das kommt. Man wächst mit den Aufgaben.
Solche Schaltpläne werden von Mal zu Mal klarer.


Ein Oszi hätte ich sogar hier um den 3,3V mal auf den Zahn zu fühlen - wenn ich wüsste wo...
Zunächst mal solltest Du das hier durchackern:
Schnellkurs Notebook-Reparatur - Stromversorgungsprobleme

- Da geht es zwar vorrangig um andere Probleme, aber eben auch viel um die 3,3V und wo die erzeugt werden.

Weiterhin findest Du auf Seite zwei des Schaltplans eine schöne Übersicht.
Dort siehst Du, dass der Displaystecker auf Seite 34 detailiert behandelt wird.
Auf Seite 34 findest Du also alle Signale am Displaystecker. Dort liegen (neben den 3,3V) auch die 5V an. Die ebenfalls mal kontrollieren.

Das Messen ist dort allerdings hochgradig kurzschlussgefährlich. Man merkt da so richtig, wie absurd groß die Messspitze eines Oszi-Tastkopfes doch ist. Keine Ahnung, warum selbst heutzutage allen Multimetern und Oszis noch immer so völlig unbrauchbar grobschlächtige Messspitzen beiligen. Und warum es so schwer ist, feinere überhaupt irgendwo zu bekommen.
- Ja, als wir noch jung und schön waren, empfanden wir einen Oszi-Tastkopf noch als "filigran" ... :-/

Es ist sicher eine gute Idee, unter Zuhilfenahme eines hoch aktivierten Flussmittels, eine gekürzte Stecknadel vorne an die Messspitze zu löten und alles so in Schrumpfschlauch einzuschrumpen, dass die Nadel bündig mit dem Schrumpfschlauf abschließt, also nicht heraus ragt.
So kann man beim Messen nicht versehentlich zwischen zwei Pins geraten (was 'nen "Kurzen" produzieren würde). Aber wenn man Druck ausübt, gibt die Nadel dennoch Kontakt, weil der Schrumpfschlauch etwas flexibel bleibt.

Hilfreich ist auch mein schon mehrfach beschriebener Trick, die Anschlüsse eines vielpoligen Messobjektes mit Kapton zu überkleben (ganz zur Not Tesa nehmen) und mit der Messnadel beherzt hindurch zu stoßen. So kann man nicht zur Seite hin abrutschen.
Das funktioniert aber natürlich nur mit einer wirklich spitzen Messnadel.
Macht Technik dir das Leben schwör, ruf' schnell den EDV-Dompteur! ;-)

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5

Freitag, 21. April 2017, 15:15

Also das Webcam-Modul habe ich mehrfach an- und abgesteckt, und auch den Displaystecker gründlich auf korrekten Sitz überprüft - das Problem bleibt bestehen.


Also habe ich mal die Buchse am alten Display mal unter die Lupe genommen - die hat aber 40 Pins statt 32 wie im Schaltplan (siehe Foto). Kopfkratz...

Und dann müssten laut Schaltplan ja die Pins 11, 12, 13, 14, 15 und 16 ja alle miteinander verbunden sein (und auf GND liegen). Auch das konnte ich mit meinem Ohmmeter nicht nachvollziehen (weil´s nur um Durchgangsmessung am stromlosen Gerät ging, habe ich mal zwei ziemlich dünne Nähnadeln mit Kroko-Leitungen an die Messspitzen angeschlossen).

Normalerweise gebe ich ja nicht schnell auf, aber gerade überlege ich, ob eine Bluetooth-Tastatur nicht die eleganteste Lösung wäre...
»Hobbylöter« hat folgende Datei angehängt:
  • LCD-Konnektor.jpg (453,71 kB - 9 mal heruntergeladen - zuletzt: 31. Mai 2017, 14:15)

EDV-Dompteur

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6

Freitag, 21. April 2017, 16:41

Also habe ich mal die Buchse am alten Display mal unter die Lupe genommen - die hat aber 40 Pins statt 32 wie im Schaltplan (siehe Foto). Kopfkratz...
Zement mal - die Buchse J505, im Schaltplan auf Seite 34, bezieht sich auf das Mainboard!
Was am Display verbaut ist, ist eine ganz andere Sache und im Schaltplan gar nicht aufgeführt!

Jaaa, man könnte jetzt naiv denken, dass die Buchse am Display im Zweifelsfall eher sogar noch weniger Pins haben sollte, als die auf dem Mainboard, denn am MB werden ja zusätzlich noch die Signale der Webcam mit über J505 geführt.
Aber des Rätsels Lösung wird das Flachkabel sein. Da werden displayseitig einfach nicht alle 40 Drähte angeschlossen sein.

An der Buchse vom Display können prinzipiell noch sonstwas für Signale anliegen, die in der Praxis aber nicht genutzt werden und folglich auch nicht beschaltet werden müssen. Diagnosefunktionen, JTAG, Trallalla. Und natürlich jede Menge Masse-Pins, die ebenfalls nicht unbedingt alle beschaltet werden müssen, sofern das Anschlusskabel hinreichend kurz ist.

Mit dem Verzicht, alle Massepins zu beschalten, steigt aber die Gefahr des kapazitiven Übersprechens zwischen den Signalleitungen.


Normalerweise gebe ich ja nicht schnell auf, aber gerade überlege ich, ob eine Bluetooth-Tastatur nicht die eleganteste Lösung wäre...
Also wenn das Display die Tastatur stört, dann würde ich nicht darauf bauen, dass da nicht noch sonst was gestört wird.
Wenn du Pech hast, dann auch die Datenaufzeichnung auf Festplatte ...
... und das vielleicht nur an Vollmond-Tagen und wenn das Handy klingelt, oder so.


Es mag sein, dass das Display so gestrickt ist, dass es Diagnose-Signale an der Buchse bereit stellt, die das Mainboard gar nicht interessieren, die aber ins Kabel gelangen und sich kapazitiv in die benachbarten Signale einstreuen.

Schnappe dir doch mal den Durchgangsprüfer, messe das Flachkabel komplett durch und erstelle einen vollständigen Plan der Kabelbelegung.
Es wäre denkbar, dass mit dem Abzwicken einer "überflüssigen" Leitung am Displaykabel, oder dem Unterbrechen einer Leiterbahn nahe der Buchse des Displays, plötzlich alles in Butter ist.


Theoretisch mag es noch eine elegantere (aber arbeitsintensivere) Möglichkeit geben:
Displays sind heutzutage oft konfigurierbar. Manchmal per Jumper, bzw. Lötklecksen und manchmal per EEPROM.
Wenn man so ein EEPROM umflasht, beispielsweise so, dass es keine unnötigen Diagnose-Signale an die Buchse anlegt, könnte wiederum alles gut sein.
Das habe ich zwar auch noch nicht gemacht, ich weiß aber, dass es möglich ist.
Bei eBay sah ich mal Schaltungen, die dazu dienen, Displays umzuflaschen.

Hier ein (russischsprachiges) Video, in dem ein kompetenter Mensch einen Adapter für ein vorhandenes BIOS-Programmiergerät bastelt:
https://www.youtube.com/watch?v=lGfmfE4S0EA

Aber natürlich muss man dazu erst einmal wissen, was man tut, was eine ziemlich ausufernde Recherche voraussetzt.
Da wäre das pragmatische Abklemmen überflüssiger Signale eindeutig der schnellere Weg. Ich kann nur nicht dafür garantieren, dass es hilft, aber es erscheint mir momentan plausibel, dass genau hier die Ursache liegt.
Macht Technik dir das Leben schwör, ruf' schnell den EDV-Dompteur! ;-)

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Samstag, 22. April 2017, 18:06

Stimmt - die Buchse war natürlich die vom Display.

"Mal eben" die Leitung vom Mainboard zum Display durchzuklingeln wäre sicherlich interessant gewesen. Und "Display flashen" klingt so, als gäbe es da ´ne Menge spannender Dinge rauszufinden... Aber während ich noch darüber nachgedacht habe ob ich mir das fachlich und auch zeitlich zutraue (ich hab´da nämlich auch noch so ´ne Art Nebenjob der ziemlich zeitintensiv ist :197: ) fragte die Besitzerin des Notebooks, wann ihr Notebook denn so in etwa fertig wäre...


Es ist also erstmal beim Kompromiss der USB -Tastatur geblieben - und dem Angebot nochmal reinzuschauen, wenn weitere seltsame Symptome auftreten. Aber der große Diagnostik-Angriff hätte bei meiner momentanen zeitsituation sicherlich einen halben Monat gedauert :-(
Alleine die Lektüre des verlinkten Kapitels aus dem Schnellkurs war aber schon mal sehr interessant, und ich werde hier im Forum im Hintergrund weiter mitlesen, denn dabei kann man ja auch viel lernen. Zumindestens ging´s mir so als ich angefangen habe Mikrocontroller zu programmieren, da habe ich auch ganz viel aus Foren mitgenommen.


Vielen Dank für die Tipps - und wenn ich das Teil doch irgendwann mal zerlege und nicht mehr weiterkomme, melde ich mich ganz bestimmt wieder hier!


Grüße,


Daniel


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