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EDV-Dompteur

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Mittwoch, 29. März 2017, 20:49

Equipment für die Notebook-Reparatur

Hier stelle ich nach & nach einige zumeist preisgünstige, oder einfach selbst anzufertigende Hilfsmittel vor, die bei der Reparatur von Notebooks gute Dienste leisten.

Einige davon fanden im Forum bereits Erwähnung:

Messspitzen:
Feinere Messspitzen, als sie Multimetern üblicherweise beiligen, sowie auch solche mit speziellen Kontaktformen, kann man sich sehr leicht aus (sicherlich vorhandenem) Material selbst anfertigen, wie in diesen beiden Postings gezeigt.

Kontaktloser Indikator für Schaltregler:
Ein Posting unter dem bereits verlinkten, ist ein simples, aber durchaus effektives Test-Tool gezeigt, das nur aus Elektroschrott besteht und binnen fünf Minuten selbst gebastelt ist.
Damit rückt man einigen Stromversorgungsproblemen auf die Pelle.
Im übernächsten Posting zeige ich eine stark verbesserte Variante.

Ultrabillige Oszilloskope:
Ein "Oszi" muss kein Vermögen kosten. Wer mit dem Multimeter an Grenzen stößt, aber vor den "advanced" Reparaturen doch noch zurück schreckt, der kann schon ab 20,- EUR(!!!) mit einem Speicher-Oszillografen-Bausatz seine Messmöglichkeiten erweitern.
Wer sich an Schaltregler heran traut, sollte jedoch etwas mehr investieren, in ein Gerät mit einer Analog-Bandbreite von mehr als 1MHz.
Manche davon sind als Fertiggerät noch unter 100,- EUR zu haben, oder liegen nur leicht darüber.
Dieser Thread präsentiert kurz einige solcher Billigst-Oszillografen.

Thermografie für ca. 3,- EUR!
Zum Aufspüren von Kurzschlüssen, bzw. sich leicht erwärmenden Bauteilen, wäre eine Thermografie-Kamera wirklich nützlich ...
... aber die Preise solcher Geräte sind natürlich ungeeignet für jemanden, der nur mal sein eigenes Notebook reparieren will.
Es geht jedoch auch zu Taschengeld-Kosten!
Verschiedentlich erwähnte und demonstriere ich im Forum so einen ominösen, irgendwie besonderen "Nagellack", z. B. hier.
Dieser tatsächliche Nagellack wechselt ab etwa 30 Grad Celsius deutlich die Farbe.
Er enthält kein Lösungsmittel, sondern wird normalerweise unter UV-Licht ausgehärtet, was wir uns im Rahmen einer Fehlersuche aber schenken; vielmehr waschen wir das Zeug nach der Anwendung mit Alkohol wieder ab.

Zwei Kleinigkeiten gibt es, die etwas nerven:
1) Das restlose Abwaschen mit Alkohol kann mitunter schwieriger sein, als wünschenswert. Man muss schon mit der Bürste, oder einem kurzhaarigen Pinsel nachhelfen und eventuell noch zu anderer Chemie greifen. Aber es geht doch hinreichend gut, dass man damit leben kann.
2) Die Benetzungseigenschaften und die Deckkraft auf dunklem Untergrund sind recht dürftig. Normalerweise (bei Fingernägeln) würde man zuvor eine weiße Grundierung auftragen, was wir natürlich unterlassen. Das Zeug soll ja hinterher wieder runter!
Ich suche selbst noch nach einer Lösung, um die Benetzungseigenschaften zu verbessern und habe für meine Tests kürzlich neues Material bestellt. Aber wenn man einfach genug davon aufträgt, dann funktioniert das schon.
Ich habe jedenfalls lange recherchiert und niemals eine ähnlich brauchbare und derart preisgünstige Lösung gefunden, um die Quelle einer minimalen Erhitzung auf einer Platine präzise zu lokalisieren.
Macht Technik dir das Leben schwör, ruf' schnell den EDV-Dompteur! ;-)

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Mittwoch, 29. März 2017, 22:10

RCL-Tester

Ich beschrieb & lobte die Schaltung bereits verschiedentlich, so z. B. in diesem Posting.

Bei eBay findet man unter dem Begriff "RCL-Tester", oder auch "LCR-Tester", etliche Ausführungen dieses verblüffenden Testgerätes.
Es ist die Erfindung eines deutschen Ingenieurs, wird als Open-Source-Projekt aber von zahlreichen chinesischen Firmen produziert, die allesamt noch an der Geschmacksrichtung etwas drehen.
Im Kern ist die Schaltung stets identisch, aber es gibt Abweichungen bei der konkreten Ausführung und an der Software.

Mit so einem Billig-Tester, der schon für unter 20,- EUR zu haben ist, kann man alle möglichen Bauteile mit zwei, oder gar drei(!) Anschlüssen testen.
Also nicht nur Widerstände, Kondensatoren, Spulen und Dioden, sondern auch Transistoren, MOSFETs ...

Gerade für die in Notebooks verbauten und häufig kaputt gehenden MOSFETs ist die Anschaffung so eines Gerätes der Befreiungsschlag!

Wegen der erwähnten Unterschiede, will ich nun darauf eingehen.
Ich rate von dieser Ausführung hier ab:



Die Gründe für mein Abraten stehen im Bild:
  1. Die Kontaktflächen taugen nicht, für unsere MOSFETs.
    - Egal, wie man es versucht, man kriegt die häufige Bauform SOIC-8 da nicht kontaktiert. Und die Kontaktflächen kann man auch fast nicht modifizeren, selbst wenn man zur Dremel greift. Man müsste die mittlere Kontaktzunge von Pin 2 wegschleifen, aber selbst dann wird man nicht wirklich froh ...
  2. Diese Tester-Variante hat keinen Drehschalter, für die Menüauswahl der inzwischen häufig vorkommenden Zusatz-Funktionen.
  3. Oben ist das empfindliche Displaykabel frei liegend und ragt über die Platine hinaus.


Besser, wenn auch noch nicht perfekt, ist so eine Ausführung:



Angenehm sind da die Form der Kontaktflächen; das Vorhandensein eines Drehschalters; sowie das immerhin etwas besser geschützte Displaykabel.
Ein nettes Feature ist auch der seitliche Anschluss für Testleitungen, wie hier gezeigt:




Achtung: "Do-it-Yourself":
Man muss übrigens sehr aufpassen, ob bei einem Gerät im Beschreibungstext womöglich einer der Begriffe "DYS", oder "solder" vorkommt.
Dann handelt es sich um um Bausätze, zum selbst Zusammenlöten ...
Wenn Ihr das nicht wollt, so müsst ihr etwa 5,- EUR mehr ausgeben, für ein Fertiggerät.

Stromversorgung:
Es gibt auch Versionen des Testers, die statt aus einer 9V-Blockbatterie aus einer einzelnen 3,7V-Lithium-Zelle versorgt werden.
Da hat man die "Arschkarte", wenn man dafür kein Ladegerät besitzt ...
Achtet also auf die Spannungsversorgung!

Milliohm:
Bei manchen Testern ist eine Auflösung des Widerstandsmessers von 0,01Ω angegeben. Bei anderen Modellen dagegen nur 0,1Ω.
Davon abgesehen, dass man bei chinesischen Geräten den Angaben ohnehin zumeist nicht trauen kann, sollte man im Zweifelsfall doch lieber zu einer Ausführung mit 0,01Ω greifen.
Denn die Schaltung ist in der Tat verblüffend genau, aber es macht einen Unterschied, ob da hochwertige, präzise & induktionsarme Widerstände verbaut sind, ober billigste Bauteile.

Es sei erwähnt, dass man diese Tester, per Anschluss von Messleitungen, auch in ein Milliohmmeter für Schaltungen verwandeln kann.
Der Widerstand der Messleitungen und Messspitzen lässt sich dabei per Kalibrierfunktion eliminieren.
Schaut dazu in den ganz oben verlinkten Thread und folgt dort den externen Links.

Obwohl die Schaltung nur mit dem ADC eines Atmel AVR arbeitet, holt sie trickreich wirklich das Maximum aus diesem Controller heraus und erweitert dessen Auflösung ganz erheblich!
Daraus resultiert ein unglaublich weiter Messbereich, mit einer wiederum unglaublich anmutenden Genauigkeit.

Messbereich noch mehr erweitern:
Wenn man einige Erfahrung mit dem Tester gesammelt hat, dann kommt man auch darauf, wie man den Messbereich sogar nochmals erweitern kann.
So lassen sich normalerweise Kondensatoren erst ab einer Kapazität von 25pF messen.
Doch weil die Auflösung 1pF beträgt, kann man eine sehr kleine Kapazität parallel zu einer zuvor vermessenen größeren schalten und dann die Differenz ermitteln.
Analoges gilt für die übrigen Messbereiche. Man wird allerdings nur selten in die Verlegenheit kommen, denn der Messbereich ist schon wirklich verbüffend weit.
Mir fallen nur die Spulen der Schaltwandler im Notebook ein, wo man zu Trick 17 greifen müsste. Aber die gehen eigentlich nie "putt" ...

Firmware-Upgrades:
Man kann die Firmware upgraden; jedenfalls wenn man mit der Programmierung von AVR-Mikrocontrollern vertraut ist und ein Programmiergerät besitzt.
Weil alles Open Source ist, findet man in diversen Foren immer wieder mal Firmware-Modifikationen, die hier & da noch eine Sonderfunktion hinzu fügen, oder eine Eigenschaft abändern.

Warnung bei der Messung von Kondensatoren:
Beachtet unbedingt, dass Ihr einen jeden Kondensator vor der Messung vollständig entladet!
Andernfalls killt Ihr den Tester - mindestens jedoch einen seiner drei Messkanläle!
Er verfügt "ab Werk" über keinen Schutz gegen extern zugeführte Spannung. Es gibt aber Selbstbau-Hacks, die das automatische Entladen per Relais erledigen. Dabei ist aber wiederum zu beachten, dass solche Modifikationen unweigerlich die Genauigkeit bei sehr kleinen Kapazitäten beeinflussen.
:!: Entladet die Kondensmänner also lieber selbst und vergesst das wirklich niemals :!:

Auslösung des Taster und das "mehr-als-zwei-Hände-Problem":
Die Messung erfolgt erst nach Betätigung des Tasters.
Schon bei der Messung in einer Schaltung, wenn man zwei Messleitungen ansetzt, stellt sich das Problem, woher man für den Taster nun die dritte Hand nehmen soll, die unsere Genetik ja überhaupt nicht vorgesehen hat.
Erst recht stellt sich das Problem, wenn man an externen, dreipoligen Bauelementen misst.

Mein Lösungsansatz:
Man verwende eine Messpinzette. Die ersetzt schon mal eine Hand.
Wenn Ihr dort noch einen Taster aufklebt und zwei Leitungen zum Taster auf der Platine führt, dann könnt Ihr jetzt mit nur einer Hand zwei externe Bauteil-Anschlüsse kontaktieren UND den Messvorgang starten!
Mit der zweiten Hand könnt Ihr dann die dritte Messleitung halten.

Leider taugen die bei eBay zu unter 15,- EUR angebotenen Messpinzetten nicht viel. Die Teile aus schwarzem Kunststoff verscheren sich seitlich beim Zusammendrücken; da muss man schon deutlich an den Dingern herum modifizieren, damit sie Praxistauglich werden.

Zusätzlicher Adapter für SOIC-8 MOSFETs:
Sucht mal bei eBay nach "SOIC-8 Adapter".
Da kommen mehrere nützliche Teile zum Vorschein, die man mit wenig Bastelei mit dem Testgerät verheiraten kann.
Beachtet aber bitte, dass der "Greifer", mit seiner langen Flachbandleitung, das Messergebnis der Gate-Kapazität beeinflusst. Arbeitet also mit so kurzen Leitungen wie möglich, wenn Ihr Kapazitäten ermitteln wollt


(Puh, endlich ist dieses Posting geschrieben, so dass ich es bei Bedarf einfach verlinken kann) :-)


Edit: Hier noch ein Tipp, wie man winzige Bauteile sicher auf die Kontaktflächen drücken kann:
Man nehme etwas Klebeband (ich empfehle Kapton) und tupfe dieses auf das Bauteil.
Nun kann das Beuteil mitsamt dem Klebeband sicher manövriert und auf die Kontaktflächen gesetzt werden. Per Fingerdruck schafft man den nötigen Anpressdruck auf die Kontaktflächen. Der Finger ist dabei durch das Klebeband sicher vom Bauteil und den Kontakten isoliert.
- So kann nichts mehr weg flutschen!
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Samstag, 1. April 2017, 21:22

Indikator für arbeitende Schaltwandler (verbesserte Version)

Im "Schnellkurs Notebook-Reparatur" hatte ich ja bereits einen ultimativ simplen Indikator vorgestellt, mit dem sich kontaktlos feststellen lässt, ob ein Schaltwandler arbeitet, oder nicht.

Der ausgesprochen simple (und binnen kaum 5 Minuten schnell gebastelte) Indikator hat aber einen blöden Nachteil: er schwächelt bei Wandlern, die gerade im Leerlauf arbeiten.
Genau das trifft auf die Wandler für 3,3V und 5V zu, solange das Notebook nicht eingeschaltet ist.
Die Schaltwandler arbeiten dann zwar (jedenfalls bei den meisten Geräten), aber die Indikator-LED wird bestenfalls ganz müde glimmen - kaum zu erkennen.

Wir können unseren Indikator aber ganz erheblich verbessern, indem wir noch ein weiteres Bauteil hinzufügen, das wir allerdings selbst anfertigen müssen. Und das ist leider ausgesprochener "Fummelkram"!

Doch schauen wir uns zunächst an, warum die LED bisher nur so schwach leuchtete, auf Wandlern im Leerlauf!
Der Schaltwandler-IC in diesem Beispiel erzeugt im Leerlauf alle 300μs einen Puls, dessen Länge keine 2μs dauert.
Wir haben es also mit einem extrem ungünstigen Puls-Pausen-Verhältnis zu tun.
Zudem ist die Spannung, die unsere Indikator-Spule erzeugt, nur gerade eben ausreichend, um eine Low-Current-LED mit niedriger Flussspannung (Rot) zum Aufleuchten zu bringen.

Im folgenden Oszillogramm ist das Signal abgebildet, das unsere Indikator-Spule liefert, an einer dort testweise angeschlossenen Last in Form eines 1kΩ-Widerstandes (um die Indikator-Spule nicht ebenfalls im Leerlauf zu lassen).



Unser bisheriger Indikator hat dieses Signal gleichgerichtet und zugleich die Spannung verdoppelt.
Die vertikale Einteilung des Oszis beträgt hier 0,2V pro Teilstrich. Ein negativer und ein positiver Spannungs-Peak reicht so gerade eben vertikal über das Bild hinaus.
- Nur diese sehr schmalen Peaks, von nur jeweils dem Bruchteil einer Mikrosekunde Breite, konnten die Flussspannung unserer LED überwinden! Dem gegenüber steht dann eine Pausenlänge, von satten 300μs (nicht im Bild gezeigt)!

Wie man aber sieht, folgt jedem dieser Pulse noch ein "Nachklingeln" mit sinkender Amplitude, von grob 7μs Breite.
Wenn wir dieses "Nachklingeln" nutzen könnten, würde unsere LED mit jedem Puls sehr viel länger aufleuchten!

Dazu müssen wir die Amplitude dieses "Nachklingelns" soweit erhöhen, dass die Spannung ausreicht, um unsere LED zum Aufleuchten zu bringen.
Das bewerkstelligen wir mit einem selbst gewickelten Transformator!

- Auf jedem Mainboard findet sich, in unmittelbarer Nähe der LAN-Buchse, ein LAN-Übertrager (falls scheinbar nicht, so ist dieser bereits in die Buchse selbst integriert!).
Das folgende Bild zeigt die Unterseite eines solchen (noch intakten) Übertragers. Man erkennt, dass dort winzige Ferrit-Ringkerne eingegossen sind.
Mittig im Bild sehen wir so einen Ringkern, mit selbst angefertigter Wicklung. Ganz rechts, zum Größenvergleich, ein Streichholz.



Mit Heißluft bekommt man die Vergussmasse weich genug, so dass wir die Ringkerne heraus pulen können.
Wir verwenden einen der größeren Ringkerne, entfernen die Originalwicklung und bewickeln das winzige Teil neu:

Zunächst wickeln wir 30 Windungen Kupferlackdraht (0,1mm) auf den Kern. Das wird die Sekundärseite unseres Trafos.
Dann wickeln wir 5 Windungen Kupferlackdraht (0,2mm) auf. Das wird die Primärseite.
Der so angefertigte Ringkerntrafo wird also die Primärspannung auf die sechsfache Sekundärspannung hoch transformieren.

Die Primärseite dieses Trafos schließen wir nun an unsere schon bekannte 3R3 Indikatorspule.
Und die Sekundärseite behandeln wir so, wie beim alten Tester die 3R3-Spule. Das heißt, wir schließen dort einen Kerko an und eine Antiparallelschaltung aus einer Schottky-Diode mit einer Low-Current LED.
Ob die LED auch eine betont niedrige Flussspannung hat, ist jetzt schon gar nicht mehr wichtig!



Durch unsere Spannungsverdopplung per Kerko und Schottky-Diode wird die bereits vom Trafo sechsfach erhöhte Spannung auf nunmehr den zwölffachen Wert angehoben!
Natürlich klettert die Spannung real nur auf den Wert hoch, der durch die Flussspannung unserer LED festgesetzt wird. Man sollte eher anders herum denken: Wenn unsere LED eine Flussspannung von 1,7V hat und die Schottky-Diode 0,3V, so benötigen wir 2V, um die LED zum Aufleuchten zu bringen. Weil unsere Schaltung die von der Indikator-Spule gelieferte Spannung verzwölffacht, genügen somit bereits 0,167V von der Spule, um die LED aufleuchten zu lassen!
Schaut man sich noch einmal das Oszillogramm an, so wird deutlich, dass wir jetzt auch das "Nachklingeln" der Pulse sehr effektiv ausnutzen!

Obige Schaltung knautschen wir nun platzsparend zusammen und umhüllen alles mit Epoxid.
Hier das Resultat unserer rund einstündigen Bastelarbeit in Aktion:



Die LED leuchtet deutlich auf, selbst auf der Wandlerspule des gerade im Leerlauf arbeitenden 5V-Schaltwandlers (dieser erzeugt das schwächste Signal, schwächer noch, als der 3,3V-Wandler).


Diese Variante hier arbeitet wirklich voll zufriedenstellend und besteht noch immer rein aus Computer-Schrott (abgesehen von dem Kupferlackdraht, aber so was hat ein Elektroniker doch wohl liegen, oder?).
Das Bewickeln des Ringkerns ist allerdings ein ziemliches Geduldsspiel. Es ist hilfreich, den dünnen Draht dazu in eine Nähnadel zu fädeln und hinter der Öse stramm zu verdrillen.
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Samstag, 22. April 2017, 23:16

Noch mehr Thermografie mit simplen Methoden

Spezieller Nagellack:
Zum Aufspüren nur ganz zart erwärmter Stellen kam weiter oben (und mehrfach anderweitig im Forum) bereits der spezielle Nagellack zur Sprache, der ab 30 Grad Celsius sehr deutlich die Farbe wechselt.


Radierbarer Kugelschreiber:
Wenn man dagegen etwas stärker erwärmte Stellen überführen möchte, dabei der Einsatz des Fingers jedoch nicht möglich ist, dann habt Ihr einen geeigneten Farbstoff vermutlich Zuhause in der Schublade!
- Die Tinte radierbarer Kugelschreiber wird ab etwa 50 Grad unsichtbar!

Hier mal ein schnelles Experiment: Papierstreifen mit grünem Radierstift bekritzelt, doppelseitig mit zwei Lagen Klebeband geschützt und den Streifen in ein Glas mit heißem Wasser getaucht.



Wie man sieht, ist die Farbe bei 51 Grad schon deutlich verblasst. Man sieht schon fast nur noch die Druckstellen im Papier. Bei 55 Grad wird der Farbstoff komplett unsichtbar.
Und wie beim erwähnten Nagellack auch, ist dieser Effekt beliebig oft umkehrbar; nach dem Abkühlen ist das Gekritzel also wieder sichtbar, als wäre nichts gewesen.

Es gibt aber einen weiteren, interessanten Effekt: Erhitzt man die Farbe noch höher - auf mehr als 90 Grad - dann tritt eine deutliche Hysterese in Erscheinung. Konkret: Das Abkühlen auf Raumtemperatur reicht dann nicht aus, um die Schrift wieder erscheinen zu lassen, sondern jetzt muss man mindestens das Gefrierfach bemühen, wenn nicht gar Kältespray!

Daraus folgen zwei Dinge:
  1. Dass es möglich ist, im Anschluss an die eigentliche Anwendung festzustellen, ob die Temperatur von 50 Grad sehr deutlich überschritten wurde. Das wäre dann der Fall, wenn bei Abkühlung auf Raumtemperatur das Schriftbild weiterhin unsichtbar bleibt.
  2. Dass sich Radiertinte auch zur Detektierung einer sehr tiefen Temperatur eignet, die unter dem Gefrierpunkt liegt. Dazu muss das Gekritzel vor der eigentlichen Anwendung lediglich kurz erhitzt werden. Bei genügend tiefer Abkühlung erscheint das Schriftbild wieder und bleibt dann auch bei Raumtemperatur stabil - bereit für die nächste Erhitzung.

Nicht schlecht: Ein einziger Farbstoff, der ganze drei Temperaturwerte detektieren kann: 50 Grad, >90 Grad und ca. -10 Grad!
Ihr müsst aber eigene Experimente machen, statt Euch auf meine Angaben blind zu verlassen, denn andere Farben, als die in meinem Stift vorhandene, könnten andere Umschlagstemperaturen aufweisen.
Ich habe mal etwas recherchiert, konnte aber nichts genaueres herausfinden, außer dass ich nicht der Erste bin, der diesen Effekt bemerkt. Er scheint generell bei allen radierbaren Kugelschreibern aufzutreten, denn das ist der Witz an der Sache: Beim Radieren unterstützt die dabei auftretende Reibungswärme das Auslöschen des Schriftbildes! Alles, was rein abrasiv nicht entfernt werden konnte, verblasst dann halt durch die Temperatureinwirkung.


Thermopapier:
Nur der Vollständigkeit halber sei es nochmals erwähnt, dass selbstklebende Papieretiketten von Thermotransfer-Druckern sich natürlich ebenfalls eignen, um Erhitzungen nachzuweisen.
Das ist immer sehr praktisch, wenn man später schauen möchte, ob sich in einem zusammengebauten Gerät ungutes getan hat. Dort kann man ja nicht mit dem Finger hinein greifen und man kann auch nicht so einfach einen Temperatursensor hinein schieben.
Die Umschlagstemperatur liegt ungefähr bei 100-120 Grad, aber leider mit einiger Unschärfe nach oben und unten. Möglich, dass manche Produkte schon zwischen 80-90 Grad umschlagen, andere hingegen erst ab 130 Grad.
Im Zweifelsfall also immer eigene Experimente durchführen!


Kältespray:
Wiederum nur der Vollständigkeit halber:
Man kann eine Schaltung mit Kältespray vereisen und dann schauen, wo der Raureif (der sich aus gefrierender Luftfeuchtigkeit bildet) zuerst verschwindet, wenn man Strom einspeist.
Ich habe an diesem Verfahren zwei Dinge auszusetzen:
  1. Der Einsatz ist gefährlich für die Schaltung, weil der schmelzende Raureif Wasser freisetzt. Bei Schaltungen mit sattem Kurzschluss entfällt dieser Kritikpunkt (da sackt die Spannung ja auf nahezu Null Volt ab). Aber bei nur teildefekten Schaltungen sollte man das Hirn einschalten, bevor man Kältespray anwendet.
  2. Für ein Notebook-Mainboard bedeutet ein dermaßen schlagartiges Abkühlen einen Temperaturschock, den ich für ungesund halte.
    Wenn man das Zeug unbedingt anwenden will, dann sollte man das Mainboard zuvor auf ein Handtuch legen und für mindestens eine halbe Stunde ins Gefrierfach packen, bevor man das Kältespray einsetzt. Dadurch ist der Temperatursprung nicht mehr so gravierend.
    Ach ja: Druckluftspray ist übrigens ein sehr guter Ersatz für Kältespray. Dazu einfach die Dose auf den Kopf stellen, beim Auslösen. Unvermeidbar läuft einem dabei aber etwas von dem flüssigen Treibgas über den Finger. Ein Stück Plastikfolie hilft dagegen.

Schlieren-Fotografie:
Kaum jemand wird sich diesen Aufwand ernsthaft antun, um auf diese Weise thermische Fehler in einer Schaltung aufzuspüren. Aber weil es thematisch so gut passt und eine prima Inspiration ist, sei noch einmal darauf verwiesen:
Inspirierende Technik


Vaseline, Wachs, Schrumpfschlauch, Frischhaltefolie:
Als Improvisation, wenn mal auf dem Dorf in Timbuktu eine wichtige Anlage mit einem schwer aufspürbaren Thermodefekt ausgestiegen ist:
  • Vaseline wechselt schon bei Handwärme von einem pastösen in eine öligen Zustand.
  • Bei noch etwas größerer Temperatur beginnt Wachs zu schmelzen.
  • Und wenn der Durchmesser eines Stücks Schrumpfschlauch abnimmt, oder wenn locker gespannte Frischhaltefolie sich so richtig schön faltenfrei glatt strafft, dann wird die Temperatur grob im Bereich von 100 Grad liegen.
Diese Methoden eignen sich zwar weniger für die Fehlersuche in Notebooks, aber als pure Anregungen will ich sie erwähnt haben.


Und noooch mal zu dem berühmten Thermo-Nagellack:
Die Chinesen scheinen da immer wieder mal an dem Repept was zu drehen. Ich habe kürzlich eine frische Lieferung erhalten, bei der sich das Produkt nach der Anwendung nicht mehr so gut mit Isopropanol entfernen lässt, wie das aus meiner ersten Lieferung. Dafür sind die Benetzungseigenschaften etwas besser geworden (wenn auch noch immer nicht berauschend).

Normalerweise ist der Nagellack dafür gedacht, auf einer hellen Grundierung aufgetragen zu werden - ein Zirkus, den wir uns für die Fehlersuche in Schaltungen natürlich ersparen wollen, zumal wir alles, was wir da auftragen, ja anschließend wieder restlos müssen. Aber eine Grundierung würde natürlich für allerbesten Kontrast und beste Benetzung sorgen.
Mich nervt auch das Geschmiere beim Hantieren mit der Platine, weil ich das pastöse Zeug ja nicht wie vorgesehen mit UV-Licht aushärte.

Ich tüftle daher schon länger an einer Möglichkeit, den Lack in einen Zustand wie Knetmasse, oder "Slime" zu überführen. Einen Zustand halt, der erstens hohe Deckkraft gewährleistet und der zweitens das restlose Entfernen (und somit auch die Wiederverwertbarkeit) erleichtert, möglichst ohne weiteren Einsatz von Chemie. Kritisch sind dabei natürlich die Zwischenräume von IC-Pins.
Wer da mal eine so richtig pfiffige Idee hat, der möge sein Wissen bitte teilen!
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5

Sonntag, 23. April 2017, 19:34

Habe heute mich an den Indikator-Prüfer gemacht und mit folgenden Bauteilen was gezaubert:
LED Diffus rot, Induktivität 22μH, Shottky-Diode, Kerko 0,1μF und die aufwändig selbsgewickelte Spule.

Das alles noch stabilisiert auf einem Stück Streichholz und mit einem Schrumpfschlauch eingehüllt.





Ich bedanke mich für die ausführlich erklärte Bauanleitung bei EDV-Dompteur und werde weiter basteln.
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Sonntag, 23. April 2017, 22:39

Hübsch, danke für das Posten Deines guten Ergebnisses!
Ich war aber mal so frei, ein paar winzige Fehler in Deinem Posting zu korrigieren. - Eine Spule hat keine "uF", sondern μH ...

Frage: Funktioniert Dein Indikator auch auf den Schaltwandler-Spulen für 3,3V und 5V im Leerlauf, also vor Betätigung des Einschalt-Tasters, wenn die anderen Wandler noch inaktiv sind?

Ich glaube zwar schon, dass das bei Dir der Fall ist, aber dieser Punkt ist am schwersten zu realisieren.
Die übrigen Wandlerspulen produzieren im Betrieb auf jeden Fall ein hinreichend starkes Feld, um die LED zum Leuchten zu bringen.

- Nur ein Indikator, der auch den Leerlauf der ohnehin recht stromschwachen 3,3V/5V-Wandler anzeigt, taugt für die Diagnose wirklich aller Mainboard-Schaltwandler.
Deiner wird das sicherlich tun, aber ich frage explizit danach, damit Du notfalls modifizieren kannst, bevor Du noch mehr von den Dingern baust.


Ich bin mal gespannt auf die Lieferung der 3,3mH-Spulen (statt 3,3μH), die auch ohne dem schwierig anzufertigenden Ringkern Top-Ergebnisse erwarten lassen.
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7

Sonntag, 23. April 2017, 23:06

Danke :-),

Nein, leider wird mir vor dem einschalten des Tasters auf den Wandlern nichts angezeigt. Die LED bleibt dunkel. Nur nach dem bestätigen des Einschalttasters leuchtet Sie auf. Ein Wandler leuchtet auf der allerdings für das Laden des Akkus zuständig ist. Wenn kein Akku angeschlossen ist bleibt dieser auch nach dem einschalten des Tasterts dunkel. Bin noch an dem 4000 μH am basteln, ich denke aber das die Shootky Diode zu dolle ist. Habe eine 60V 3A daran gebastelt. :188:


... Bin auch auf das Ergebnis gespannt was die 3,3mH-Spulen ergeben. :193:

Desi

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Montag, 24. April 2017, 00:22

Es kann sein, dass bei Deinem Gerät der duale Schaltwandler erst nach dem Einschalten los legt. Das kannst Du mit dem Voltmeter überprüfen.
An derjenigen Seite der Wandlerspule, die nicht zu den MOSFETs zeigt, sondern zum Puffer-Kondensator, liegen im aktiven Zustand die erwarteten 3,3V bzw. 5V.
Falls das im ausgeschalteten Zustand nicht der Fall sein sollte, dann werkelt da halt nur der im Power-Management-Controller verbaute LDO, also ein Linearregler, der ohne Induktivitäten auskommt. Da kann die Indikator-LED natürlich nicht aufleuchten.

Dass Deine Schottky-Diode untauglich ist, glaube ich weniger.
Aber diese Dinger gehen unglaublich schnell kaputt, bei Einwirkung von Elektrostatik.

Bei einer Spule mit 4000μH (also 4mH), wirst Du ohne weiterer Beschaltung auskommen, insbesondere ohne dem Ringkern.
Schließe die LED doch testweise mal direkt an die Indikatorspule an, ohne sonstiger Beschaltung.
Dabei bleibt dann zwar eine der beiden Wechselspannungs-Halbwellen ungenutzt, aber es könnte dennoch gut ausreichen.

Bei einer so großen Induktivität will ich übrigens gar nicht ausschließen, dass da eine Polaritätsabhängigkeit besteht. - Es kann da einen Unterschied machen, wie herum Du die LED an die Spule lötest.
Man spricht da von einem "heißen Ende" und einem "kalten Ende" einer Spule.

Wenn alles partout nicht klappen sollte, dann ist einfach das Ferrit-Kernmaterial nicht so gut geeignet, für den Frequenzbereich des Wandlers.
Oder es wird - im Falle einer vollständig gekapselten Bauform - nicht genug vom magnetischen Streufeld eingefangen.
Offene Ferritspulen (Ferritstäbe) fangen mehr Streufeld ein, als gekapselte Bauformen. Ringkerne fangen dagegen nahezu gar nichts ein. - Was man ändern kann, indem man einen spalt in den Ring schleift.

Wenn Du sehr experimentierfreudig bist, dann könntest Du mal von der Ferrit-Kapselung vorsichtig etwas weg bröseln, oder dremeln.
Es fällt mir aber schwer einen konkreten Tipp zu geben, ob man bei geschlossenen Ferriten vorzugsweise unten, seitlich, oder oben eine Lücke ins Kernmaterial einarbeiten sollte, durch die die Streufelder eindringen können.
Und natürlich ist die Gefahr sehr groß, dass der Ferrit dabei unkontrolliert splittert, oder dass der innenliegende Drahtwickel beschädigt wird.

Warte vielleicht lieber auf Deine jüngst bestellten 3,3mH-Spulen, da macht die "Grundlagenforschung" mehr Sinn.
Aber weil das keine gekapselte Bauform ist, wird dieser Spulentyp auf jeden Fall reichlich Streufeld einfangen. Vielleicht sogar zu viel, so dass noch Feld der benachbarten Spule die LED zum Aufleuchten bringt.
.
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